Südinsel Neuseeland

Mega geile Zeit! =)

Sorry, mir ist gerade bewusst geworden, dass sich hoffentlich niemand Sorgen macht, so lange kein Lebenszeichen mehr von mir gehört zu haben. Aber die meisten von euch kennen sicherlich das Gefühl, wenn man etwas erledigen möchte aber es eigentlich schon zu viel ist, dann fängt man oft gar nicht erst an. Dafür habe ich mir jetzt um so mehr Mühe gegeben euch zu schreiben…

Eigentlich fing Neuseeland schon in Deutschland mit Vanessa an. Die lag bei mir auf der Behandlungsbank. Irgendwie kam sie mir bekannt vor und wir stellten schnell fest, dass wir in der gleichen Halle bouldern. Kurz darauf stellten wir außerdem fest, dass wir im gleichen Zeitraum in Neuseeland sind und planten uns dort zu treffen. Ich wusste sofort, dass es mit Vanessa nur lustig werden kann, weil sie einfach eine coole Person ist. Bei der dritten Behandlung haben wir dann unsere Flugdaten auf einander abgestimmt und so entschied sich auch, dass ich zuerst auf die Südinsel fliege. Vanessa, die schon im Mai losgeflogen ist und hat ihre Reise auf der Nordinsel begonnen, so dass wir uns in Christchurch trafen, um gemeinsam die Südinsel zu bereisen. Obwohl wir nicht viel geplant hatten, lief alles wie perfekt durchorganisiert.

Ich war ein paar Tage eher als Vanessa in Christchurch. Die ersten zwei Nächte blieb ich über Couchsurfing bei Tomi, der mir angeboten hat mit mir Basketball zu spielen. Ich hatte mich schon tagelang wie ein kleines Kind darauf gefreut endlich mal wieder zu spielen. Und es hat unheimlich viel Spaß gemacht! Das letzte Mal habe ich in Deutschland gespielt.

Tomi wohnt in einer WG mit 5 Leuten, die alle aus Argentinien oder Chile kommen und von denen nur einer English sprach. Das war für mein Spanisch noch mal ganz gut und wir hatten eine Menge Spaß, in der kurzen Zeit. Es war echt schade nach nur 1,5 Tagen schon wieder weiter zu reisen.

Was man beim Reise zwangsläufig lernt ist Abschied nehmen. So richtig leicht gefallen ist mir bis jetzt nur der Abschied von den Bahamas. Eigentlich wünscht man sich fast überall mehr Zeit, als man hat.

Aber da standen John und sein Sohn Nathan schon vor der Tür, um mich abzuholen. Bei der Familie konnte ich eine Woche woofen, was bedeutet, dass man für Verpflegung und Unterkunft etwa 4 Stunden täglich arbeitet. Als ich im Auto erzählte, dass ich in Auckland am Flughafen 3 Stunden gebraucht hatte, weil ich ein Zelt dabei hatte und sie mein ganzes Gepäck ausführlich kontrolliert haben, erklärte Nathan mir dass Neuseeland aufgrund der isolierten Lage ein sehr empfindliches Ökosystem hat. Er hatte das Thema gerade in der Schule und erklärte mir auch, dass die meisten beheimateten Tierarten größtenteils unterschiedliche Vogelarten seien. Eingeführte Tiere, besonders Possums aus Australien bedrohen viele der Vogelarten, die nicht an natürliche Fressfeinde angepasst sind. Es ist wirklich eigenartig durch manche Wälder zu gehen, die in der richtigen Höhenlage aussehen können wie in Europa, aber komplett anders klingen. Außer Vögeln und Insekten sieht man einfach keine Tiere und die Klänge der Vögel sind oft so ungewöhnlich, dass sie mich und Vanessa auch nach vielen Hikes immer noch beeindrucken. Man kann bei jedem Hike neue noch unbekannte Vögel hören, aber auch die, die man schon kennt sind oft so fremd, dass man sich immer wieder darüber freut sie zu hören. Zum Beispiel „broken ducks“, wie wir sie genannt haben. Wer schon mal in Neuseeland war, wird wissen was ich meine. Alle anderen müssen mir einfach glauben, dass sie sich diese Enten mehr wie eine kaputte Maschine als wie Vögel anhören. Von denen gibt es super viele und irgendwie kam ich mir ja albern vor, als ich bei der hundertsten Ente immer noch über den Sound lachen musste, aber wir haben es genossen…

Naja, eingentlich bin ich ja gerade noch bei John und Bridie, die zwei Kinder (Ella 12 und Nathan 13) haben. Weitere Familienmitglieder, sind der Hund Toni, der verrückt danach ist, dass man ihm Steine statt Stöckchen wirft und am Strand total ausrastet und noch zwei Katzen. Einen alten, angeblich aggressiven Kater den ich lieber nicht anfassen, sondern nur mir dem Fuß kraulen sollte. Allerdings kam er ständig zu und schob sich unter meine Hand… hätte mir niemand gesagt, dass er angeblich aggressiv ist, hätte ich es nicht gemerkt. Ist halt ein liebes, altes Tier, was vor Freude anfängt zu sabbern, wenn man ihn krault. Ein paar Tage später habe ich gemerkt, dass mein Lieblingsplatz auf dem Sofa wohl auch sein Lieblingsplatz war. Vielleicht war das der Grund, weshalb er überhaupt zu mir gekommen ist, aber danach mochte er mich. Ob es wohl daran liegt, dass ich massieren kann?

Insgesamt war es für mich wirklich entspannend mal einen „normalen“ Alltag zu haben. Wenn man sonst immer darüber nachdenkt, wo man denn die nächste Nacht verbringt, ist es angenehm mal eine Woche nicht darüber nachdenken zu müssen.

Wenn die Kinder in der Schule und Braidie und John bei der Arbeit waren, bin ich mit dem Hund am Strand laufen gegangen, der nur 150m entfernt war und habe danach Haus- und Gartenarbeit gemacht.

Dummer Weise habe ich mir gleich am ersten Tag eine Erkältung eingefangen, weil ich mit Toni nach dem laufen noch Hundetraining gemacht habe und nur kurze Klamotten an hatte. Die Sonne hat zwar geschienen, aber der Wind war doch zu kühl. Der Rotz hat mich jedenfalls volle 3 Wochen genervt. Ich konnte nur schlecht hören, was es nicht gerade leichter macht den Kiwislang zu verstehen.

Die Tochter Ella geht zum Zirkustraining und war begeistert mit mir Akrobatik zu machen. Endlich habe ich jemanden zum Trainieren gefunden! Ich dachte ja, dass es einfacher sei unterwegs etwas Akrobatik zu machen, aber den meisten Menschen steht ja nicht auf die Stirn geschrieben, dass sie Akrobaten sind und ich habe mich ehrlich gesagt nicht gut genug darum gekümmert nach Akrobaten zu suchen. Da ist es dann besonders praktisch, auch noch einen so leichten Trainingspartner zu haben.

Einen Abend erzählte John mir, wie wichtig Rugby für Neuseeländer ist. Nur wenige Minuten später lief ein Rugbyspiel auf dem Computer und John erklärte mir mit ziemlich viel Begeisterung die Regeln. Alles in allem hatte ich eine tolle Woche mit einem fast normalen Alltag! Wenn man Hausarbeiten nicht täglich machen muss freut man sich sogar total darüber und es kann viel Spaß machen zu arbeiten. Einen Abend fragte Braidi mich, ob ich noch drei Hemden bügeln könnte. Ich habe mich so darüber gefreut zu Bügeln, dass John mit leuchtenden Augen um die Ecke schaute und fragte, ob ich dann sogar ein paar mehr Hemden bügeln würde. Er hasst bügeln und braucht jeden Tag für die Arbeit ein Hemd. Als ich antwortete er könne mir auch alle ungebügelten Hemden geben, kam John freudestrahlend mit einem ganzen Arm voll Hemden zurück. Er meinte noch ich soll wirklich nur so viel bügeln, wie ich Lust habe. Allerdings machte es so viel Spaß Johns vor Freude leuchtende Augen zu sehen, dass ich den ganzen Stapel bügelte. Es war für mich ja keine verlorene Zeit, weil ich mich im Wohnzimmer genau so mit allen unterhalten konnte, wie sonst auch.

Anschließend traf ich mich mit Vanessa im botanischen Garten von Christchurch. Es war unheimlich toll wieder zu zweit unterwegs zu sein. Es gibt so gewisse Menschen, mit denen man nicht normal durch einen Garten gehen kann, ohne in Bäume zu klettern, lustige Fotos zu machen oder die dumme Idee zu haben, zu einem Stück Treppe, dass mitten in einem Teich steht zu laufen. Das Wasser war zwar nur etwas tiefer als Kniehöhe, aber andere Länder haben auch andere Tiere, was ich merkte als ein 1m langer Fisch (irgendwas ähnliches wie ein Aal) neben mir im Wasser herum dümpelte und sich zum Glück nicht bewegte. Sonst hätte ich wohl einen erschrockenen Satz aus dem Wasser raus gemacht.

Danach ging es weiter zu Dave und Nicki zum Woofen. Dave schrieb mir vorher, dass er es angenehmer finde einen Tag hart zu arbeiten und dann einen Tag frei zu haben, weil es rings herum in den Bergen so viele tolle Trecks gebe.

Im Endeffekt haben wir aber deutlich weniger gearbeitet, als dass wir freie Tage hatten. Und dann ist da ja auch noch die Frage, was man als „Arbeit“ definiert. Den ersten Tag hatten wir zwar ein volles Programm, aber das hat auch viel Spaß gemacht! Begonnen haben wir früh morgens damit, mit einem Quad durch die grünen Hügel zu heizen. Dann hat Dave uns kleine Kälbchen gezeigt, die nichts anderes wollten, als an unseren Händen zu nuckeln. Nachdem wir eine große Herde Rotwild von einer Weide auf die andere getrieben hatten, bestand unser Hauptjob darin Disteln auszustechen. Die waren überall auf den Weiden verteilt und die Kühe kriegen leider Infektionen am Maul, wenn sie diese fressen. Mittags wurden wir von Nicki gut versorgt und der Nachmittag begann damit, dass wir ein Kanu hinten am Quad festbanden und darin über die Wiesen gezogen wurden. Danach zerlegten wir zwei Bäume mit Motorsägen. Ich überlasse jedem selbst zu beurteilen, was davon Arbeit ist. Mir hat alles mega viel Spaß gemacht! Besonders die Kanufahrt!

Freitags hatten wir frei, weil Dave eine Gruppe jugendlicher zu einem adventure Seminar hatte. Wir bestiegen Vormittags den Mt Peel und waren dann sogar noch rechtzeitig zurück, dass wir uns an den fertigen Mittagstisch setzten konnten und Dave uns dann zu seiner Tour mitnahm.

Samstag und Sonntag hatten wir auch frei. War ja Wochenende und hier erwartet keiner von uns am Wochenende zu arbeiten. Mir ist sehr deutlich meine deutsche Mentalität bewusst geworden, weil ich mich mit nur zwei Tagen Arbeit für 4 freie Tage zuerst schlecht gefühlt habe.

Die freien Tage nutzten wir, um eine Wanderung zum Mount Cook zu machen, wo wir zu dieser Jahreszeit eine perfekte Winterlandschaft hatten. 30-50 cm fluffiger Pulverschnee!!! Wer kann da schon widerstehen, nicht mal eben nackig in den Schnee zu springen. Es waren zwar ein paar Touristen unterwegs, aber wirklich sehr wenige und zumindest diesen Moment war weit und breit niemand zu sehen. Aber ein Foto mit Selbstauslöser zu machen, kann verdammt lange dauern und so haben wir doch ein paar Touristen sehr zum lachen gebracht.

An unserem zweiten Arbeitstag fanden wir ein krankes Reh, das von der Gruppe getrennt war. Es hatte nicht mehr viel kraft, aber vor dem Quad weglaufen konnte es noch. Für mich sah es ziemlich brutal aus das Reh zu fangen, aber es war schon so schwach, dass es nicht mehr aufstehen konnte, nachdem es einmal am Boden lag. Ich sollte es festhalten, solange wie Dave Penecillin vom Haus holte. Er lies mich ein gute halbe Stunde mit dem Tier alleine. Ich fühlte mich ziemlich schlecht, weil ich merkte, dass ich nichts machen konnte, um dem armen Tier zu helfen. Das einzige, was mir einfiel war sanfte Atemtherapie, was zumindest dazu führte, dass das Tier ruhiger und tiefer atmete. Aber es sah wirklich nicht gut aus für das Reh. Für die Hilfe mit Penecillin war es wahrscheinlich einfach schon zu spät. Am liebsten hätte ich das Tier dort gelassen, ihm Wasser ins Maul gekippt und mich so gut um es gekümmert, wie es möglich war. Aber Dave wollte das Tier gerne auf die Weide der anderen Rehe zum Wassertrog bringen. Erst wollte er es mit dem Quad transportieren. Keine Ahnung, wie er sich das vorstellte, aber es war eh zu schwer, als dass wir es zu zweit hätten hochheben können. Also hat Dave einen riesigen, sehr stabilen Sack genommen, in den das Tier gut hinein passte und diesen am Quad festgebunden, um das Tier über die Weide zu ziehen. Wenn das Tier vorher noch eine Überlebenschance gehabt hätte, war das jedenfalls zu viel Stress für das Reh. Es konnte nicht mal mehr aus eigener Kraft trinken, so dass die Aktion aus meiner Sicht vollkommen unsinnig war. Vanessa und ich mussten Dave mehrmals bitten es wenigstens zu probieren, ihm Wasser in den Mund zu kippen. Das funktionierte ganz gut und das Reh trank ein wenig. Alles in allem hatte ich aber das Gefühl, dass Dave wenig Mitgefühl mit dem Tier hatte, was wahrscheinlich für Leute die in der Viehzucht arbeiten und größere Herden haben, normal ist. In diesem Moment wurde mir mal wieder sehr deutlich bewusst, warum ich mich deutlich besser fühle, wenn ich weiß, dass das Fleisch was ich esse von einem Kleinbauern kommt.

Wir haben in den folgenden Stunden nur ein mal kurz nach dem Reh geschaut und am Nachmittag war das Tier verstorben. Das hat mich etwas mitgenommen, weil ich mich oft gefragt habe, ob wir das Tier nicht in ruhe auf der anderen Weide hätten sterben lassen können, statt es 300m hinter dem Quad her zu ziehen.

Am nächsten Tag wollten wir weiter fahren. Dave hatte uns viele Bilder gezeigt. Unter anderem vom Hakatere National, der auch Filmkulisse von „Herr der Ringe“ war. Ich verliebte mich beim ersten Bild in diesen Park, so dass wir dafür noch mal nach Norden fuhren, obwohl wir eigentlich nach Süden wollten.

Für Vanessa war es der erste Multidayhike und wir planten zwei Tage dort zu bleiben. Für mich war es unheimlich schön und ich habe jeden Moment sehr genossen. Allerdings haben wir festgestellt, dass es wohl in Neuseeland unmöglich ist einen Track mit trockenen Füßen zu gehen. Wir haben oft kleinere oder auch größere Umwege gemacht, um nach stellen zu suchen, wo man vielleicht über den Bach hinüber springen kann. Klappte leider nicht immer. Am zweiten Tag kamen wir an eine Stelle, wo wir Schuhe ausziehen mussten, um hinüber zu kommen. Blöder Weise konnte ich unter dem Gras ein Loch nicht sehen, in das ich hineintrat. Dabei knickte ich auch noch mit dem Fuß um und mein Bein Stand bis oberhalb des Knies im Wasser. Blöd gelaufen… ich bin so ungünstig umgeknickt, dass ich wirklich eine Woche lang Probleme damit hatte. Ein paar Stunden später mussten wir schon wieder die Schuhe ausziehen, um einen Bach zu durchqueren. Ich wollte nicht durch den Bereich gehen, wo man durch das Gras den Grund nicht sehen und wählte einen weg über Steine. Etwa 5-7m über sehr glitschige Steine… Ich war sehr froh, es ohne einen Sturz geschafft zu haben. Vanessa hatte nicht so viel Glück. Sie rutschte aus und die Schuhe, die sie in der Hand hielt landeten im Wasser. Zum Glück hatte sie Flipflops dabei, was zumindest das Durchqueren aller folgenden Bäche sehr erleichterte. Allerdings ist Wandern in Flipflops ehrlich nicht das geilste. Trotzdem genossen wir den Ausflug sehr. Die Landschaft war super schön, dicke schwarze Regenwolken zogen immer an uns vorbei, so dass wir nichts davon abbekamen und man hatte häufig das Gefühl, das die Herr der Ringe Truppe mit ihren Pferden genau hinter einem Wandern könnte.

Auf dem Rückweg kamen wir noch mal an Daves Haus vorbei. Als ich Dave fragte, ob wir noch eine Nacht länger bei ihnen bleiben können bekam ich als Antwort, dass er Lamm für uns koche. Unglaublich, wie lieb diese Menschen sind!

Auf dem Weg nach Süden fuhren wir zu einem recht einsamen Campground, bei dem ungewöhnlich viel los war. Ein paar sehr engagierte Leute kümmern sich darum eine durch Landwirtschaft zerstörte Vegetation wieder aufzubauen und haben allein im letzten Jahr 40 000 Bäume und Pflanzen neu gepflanzt. Das wird jährlich gefeiert und natürlich beginnt die Veranstaltung damit ein Bäumchen zu pflanzen. Da wir auf dem Campground waren, wurden wir direkt dazu eingeladen. Es ist unglaublich, wie viel Glück wir hatten, zufällig genau an diesem Tag dort zu sein.

Etwas später gab es eine Nachtwanderung, bei der uns vieles über die Pflanzen, nachtaktive Tiere und über Sternbilder erklärt wurde. Theoretisch würde ich jetzt immer am Nachthimmel den Weg nach Süden finden, wenn ich die Sterne nicht verwechsle. Alles in allem war die Wanderung mega spannend und wir sind sie am nächsten morgen noch mal im hellen gelaufen. Da merkt man mal wie anders man die Umgebung im Dunkeln wahrnimmt. Wenn man nichts oder nur ein paar Silhouetten sehen kann ergänzt das Gehirn einfach mal eine ganze Menge, die gar nicht da ist. Im Anschluss an die Wanderung gab es auch noch ein Barbecue. Voll gut! Oh man, wie ich grillen vermisse…

Da das Wetter die nächsten Tage nur mäßig gut war, sind wir größtenteils im Auto geblieben und haben nur kurze Wanderungen gemacht oder für einen kurzen Spaziergang an Stränden gestoppt. Hier habe ich meine erste Pauashell gefunden. Das sind für Neuseeland typische Muscheln. Es ist sehr schwer diese am Strand zu finden und normalerweise taucht man nach denen. Um so mehr habe ich mich über mein Exemplar gefreut, obwohl eine Ecke abgebrochen war. So war ich gleich am Anfang der Tour hoch motiviert eine heile Muschel zu finden. Allerdings waren alle weiteren Strände der Südinsel nicht sehr vielversprechend und ich musste enttäuscht feststellen, dass dies vielleicht mein einziges Exemplar bleiben wird. Zu guter letzt habe ich diese später auch noch im Auto vergessen, als wir es nach unserer Tour in Christchurch abgestellt haben. Meine Muscheln haben im Auto häufiger den Platz gewechselt, bis ich sie irgendwo gut verpackt und dann dummer Weise vergessen habe.

3 Tage später waren wir in Te Anau an der südlichen Westküste und wollten gerne den Milford Sound Track gehen. Der ist als einer der schönsten Trecks der Erde bekannt und wenn man ihn in der Saison gehen möchte, muss man etwa 6-12 Monate vorher die Tickets dafür reservieren. Es war noch vor Saisonbeginn, so dass wir den Weg nicht vorher buchen mussten, aber auch kaum Informationen im Internet über die Nebensaison des Trecks fanden. Also blieb uns nur die Möglichkeit uns vor Ort zu informieren. Es gibt nur 2 Möglichkeiten, zum Start des Trecks zu kommen. Entweder mit einer Fähre, die in der Nebensaison leider nicht fährt oder über einen Pass der schon im Sommer nur sehr erfahrenen Bergsteigern empfohlen wird. Im Winter sei er grundsätzlich zu gefährlich und ohne entsprechende Ausrüstung nicht möglich. Es sterben auch regelmäßig Leute. Nachdem uns von einem Pärchen erzählt wurde, wo der Mann ausgerutscht und verstorben ist und die Frau dann mehrere Wochen alleine in einer Hütte auf den Saisonbeginn warten musste, bis sie gefunden wurde, haben wir unseren Plan ganz schnell gecancled.

Und wir hatten eine gute Alternative. Der Geenstone-Caples-Treck war ebenfalls für 4 Tage ausgelegt und ziemlich in der Nähe. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellte. Wir trafen nicht viele Menschen und ausgerechnet diese 4 Tage hatten wir wunderbares Wetter. Am Parkplatz lernten wir einen Kea kennen, eine neuseeländische Papageienart. Dieser hatte sich so sehr an Menschen gewöhnt, dass er aus der Hand fraß und auch ziemlich frech wurde um an fressen heran zu kommen. Er war auf jeden Fall charmant genug zu den Touristen, um fett gefüttert zu werden. Normalerweise können die Vögel fliegen, aber dieser hier hatte vielleicht mal eine Verletzung oder ähnliches und war nur noch zu Fuß unterwegs. Nur um in unserem Kofferraum nach Futter zu suchen, unterstützte er seinen Sprung mit ein paar Flügelschlägen, wo wir die Möglichkeit hatten die schönen roten Federn an der Innenseite der Flügel zu sehen. Ansonsten sind sie komplett grün. Für das Fotoshooting mit ihm mussten wir mit Futter bezahlen.

Generell sind die Landschaften mit all den Bergen im Hintergrund unbeschreiblich schön, so dass hier sogar das Autofahren Spaß machen kann. So ging es weiter nach Queenstown. Ich wusste in Deutschland schon, dass ich dort den Nevis-Arc-Canyon-Swing machen wollte. Auch wenn das super teuer war, weil man für die etwa 10 sec die spannend sind 200 Dollar bezahlt, war es das trotzdem wert. Und nach dem ersten Swing boten sie mir einen zweiten für 40 Dollar an, den ich dann kopfüber machte. Leider hat es mir gar keinen Nervenkitzel mehr eingebracht. Ich hatte ja noch darauf gehofft, etwas mehr zu spüren, aber scheinbar habe ich zu viel vertrauen in die Technik…

All die Angst die mir gefehlt hat, hatte dafür ein anderes Mädchen. In diesem Moment war ich sehr dankbar dafür mich grundsätzlich mit dem Thema Ängste etwas eingehender beschäftigt zu haben und in meiner Ausbildung gelernt zu haben, den Moment zu erkennen, bevor jemand kollabiert. Ihre Freunde versuchten ihr Mut zu machen und sie mit sanfter Gewalt zu der letzten Tür zu bewegen und ihr erzählten wie cool das Gefühl doch sei. Selbst wenn sie sie in die Sicherung eingehängt hätten, wäre sie vor Angst bewusstlos gewesen, bevor sie etwas von dem Swing mitbekommen hätte. Auch das Personal war etwas überfordert und sie sagten mir später, dass sie so schlimme Fälle normalerweise nicht haben und auch nicht lernen, wie man damit umgeht.

Als ich sah, wie sogar ihr körperlicher Zustand immer schlechter wurde, ging ich rüber, um zu versuchen sie zu beruhigen. Ich fragte sie gerade noch, ob sie sich lieber hinlegen wolle, als sie kollabierte und mir in die Arme fiel. Auch wenn sie nur 2 Sekunden das Bewusstsein verlor erkannten die Freunde, dass sie ihr mehr Angst machten, als ihr zu helfen. Sowas hatte ich auch noch nicht erlebt, aber da ich scheinbar wirkte, als ob ich mich mit solchen Situationen gut auskennen würde, denn die anderen Leute und auch die Mitarbeiter, erwarteten von mir, dass ich schon wisse was zu tun sei. Naja, wenn jemand mit so einer Angst Vertrauen zu mir hat, sollte ich ihr nicht unbedingt sagen, dass das auch für mich neu ist. Momentan befanden wir uns nämlich noch auch einer Plattform über dem Canyon und sie musste irgendwie über eine 30m lange Brücke wieder an Land kommen und ich hatte immerhin ein bisschen mehr Erfahrung als alle anderen. Ich probierte zumindest ein paar Techniken an ihr aus, auf die sie erstaunlich gut reagierte. 20 Minuten später schafften wir es dann, dass sie mit mir und drei starken Männern um sie herum über die Brücke ging. Für mich war es sehr spannend, dass ich in ihrem Gesicht jeden Moment sehen konnte, wann ihre Gedanken abschwiffen und ich sie mit einfachen, kurzsilbigen Fragen ablenken musste, damit sie nicht an die Höhe dachte. In diesem Moment handelte ich überwiegend intuitiv und mir ist selbst erst später bewusst geworden welche Techniken ich angewendet hatte. Von der Anstrengung musste es wie ein Marathonlauf für sie gewesen sein. An Land wurde sie erst mal mit Wasser versorgt und in eine Decke gepackt, bis sie wieder zu Kräften kam.

Abends in Queenstown habe ich dann den besten Burger meines Lebens gegessen. Normalerweise bin ich ja kein Burgerfan, aber uns wurde von so vielen Leuten gesagt, dass wir den unbedingt probieren müssen. Und ich muss zugeben, dass die Leute wirklich recht hatten. Ich will ja keine Werbung machen, aber sollte es euch mal nach Queenstown verschlagen, müsst ihr einen Ferg Burger probieren.

Weiter an der Westküste hatten wir dann leider richtig schlechtes Wetter, so dass wir viele Dinge einfach ausgelassen haben und weiter nach Norden gefahren sind. Dort wollten wir gerne zum Able Tasman Park.

Im Norden fanden wir einen tollen Campground in Richmond. Das war sehr praktisch, weil Richmond ziemlich mittig liegt und wir dadurch flexibel und wetterabhängig entscheiden konnten, wann wir was machen wollen. Zu allererst kaufte Vanessa sich ein Skateboard und wir verbrachten die sonnigen Zeiten des Tages in unterschiedlichen Skateparks, die es hier überall gibt. Günstiger weise sogar einen direkt hinter dem Campground.

Morgens in der Küche lernten wir Carlos kennen. Er kommt aus Venezuela. Da ich oft gehört hatte, dass es in Venezuela die besten Arepas Südamerikas gebe, fragte ich ihn nach einem Rezept. Im Endeffekt waren wir kurz darauf einkaufen, um abends gemeinsam zu kochen. Tagsüber wollten wir einfach nur raus und hatten noch keinen richtigen Plan. Carlos hatte die Idee uns einen Wanderweg zu einem Picknickplatz zu zeigen. Und so zogen wir mit einer Frisbee im Gepäck zu dritt los.

Carlos ist viel zu alt, als dass ich auch nur im geringsten darüber nachgedacht hätte bewusst abweisend zu ihm sein zu müssen. Als wir darüber sprachen, dass wir nach dem Able Tasman Park eine Kanutour durch die Fjorde machen wollten hatte Vanessa ihm auch schon angeboten mitkommen zu können, wenn er möchte. Carlos freute sich sehr darüber und stimmte sofort zu. Allerdings begann er schon vor der Tour komisch zu werden. Am nächsten morgen Frühstückten wir noch zusammen, bevor ich mit Vanessa zum Able Tasman national Park fuhr. Er hatte uns abends erzählt wie das mit seinen Papieren war, um sein permanent Resident zu erhalten. Morgens fragte er mich ob ich schon geschaut hätte, welche Papiere ich bräuchte. ??? Zuerst verstand ich überhaupt nicht, was er von mir wollte. Als ich ihn verstand erklärte ich ihm sehr deutlich, dass es für mich niemals in Frage käme nach Neuseeland auszuwandern. Ich kann zwar nicht wissen, ob es sich vielleicht doch irgendwann mal ergibt, aber definitiv niemals wegen ihm. Für mich war damit alles was er vielleicht denken könnte im Keim erstickt. Für Carlos leider noch nicht…

Naja, erst mal ging es mit Vanessa zwei Tage zum Able Tasman NP. Dieser sieht aus wie ein Paradies und wir genossen den Treck wirklich sehr. Da die Hütten und sogar die Campgrounds im national Park ziemlich teuer waren, hatten wir beschlossen nur einen Tag in den Park hinein zu gehen und am nächsten Tag wieder raus. Hätten wir nicht bereits in der letzten Stadt den Campground fest buchen müssen, wären wir wahrscheinlich nicht so weit gegangen, weil wir uns mehr Zeit an den traumhaften Stränden genommen hätten. So hatten wir aber den Campground an einem ebenfalls super schönen Strand, der von einigen Leuten als der schönste Strand des national Parks bezeichnet wurde und an dem wir zudem noch fast alleine waren. Nur eine andere Gruppe, die noch da war, lud uns ein uns zu denen ans Feuer zu setzten. Also ging es am nächsten Tag schon wieder zurück. Allerdings war es uns egal, wie spät es abends werden würde und wir nahmen uns auch einfach zwischendurch Zeiten für Fotos, an Stränden und den Halfway Pool. Vanessa war es auf dem Greenstone-Caples-Treck zu kalt um sich mit mir unter einen der vielen Wasserfälle zu stellen und versprach mir das im Able Tasman nachzuholen. Hier waren wir zwar weiter im norden und hatten sogar das Glück, dass wir relativ gutes und warmes Wetter hatten, aber die Bäche waren trotzdem unnormal kalt. Um so mehr Spaß hatten wir, als wir mal wieder nackig in den Pool sprangen. In dem Moment kamen zwei ziemlich coole Australierinnen, mit denen wir uns wirklich gut verstanden und mit denen wir eigentlich abends was trinken wollten. Leider waren wir alle zu müde, aber vielleicht treffen wir sie ja irgendwann mal in Australien.

Abends waren wir dann wieder am Campground sammelten Carlos ein und dann ging es weiter in den Norden zur Kanutour. Den ersten Tag war es leider so windig, dass wir nicht mit dem Kanu raus fahren konnten und statt dessen eine Wanderung gemacht haben. Ich hätte zwar niemals geglaubt, dass ich sowas mal sagen kann, aber es ging mir total auf den Sack, dass Carlos ununterbrochen geredet hat. Ich rede ja auch gerne, aber manchmal kann man die Natur auch genießen. Es war einfach anstrengend ihm die ganze Zeit zuhören zu müssen.

Der Tag war übrigens genau mein Halbjahrestag was wir abends im Zelt mit einer ziemlich lustigen Unorunde feierten.

Bei der Kanutour am nächsten Tag hatten Vanessa und ich ein Zweierkanu und Carlos ein Einerkanu. Es tat richtig gut, entspannt mit Vanessa reden zu können, ohne das Carlos ununterbrochen quatschte. Alles in allem muss ich aber auch sagen, dass obwohl er unheimlich anstrengend und manchmal nervig ist trotzdem auch sehr nett war und wir zeitweise auch immer sehr coole und lustige Situationen hatten.

Das Auto mussten wir leider in Christchurch abstellen, was 6 Stunden pro Strecke bedeutete. Wir hatten mehrere unterschiedliche Pläne, wann und wie man das Auto nach Christchurch fahren würde und entschieden letztendlich sehr spontan gemeinsam zu fahren und wieder nach norden zu hitchhiken Dadurch gingen uns leider 2 volle Tage verloren. Und der Rückweg hat mit 4 unterschiedlichen Fahrern leider 10 Stunden gedauert. Vanessa hatte organiesiert, dass wir bei Freunden von ihr im Garten campen können. Zum Glück brachte unser letzter Fahrer uns so dicht wie möglich zu dem Haus. Allerdings fuhr er einen wirklich großen Truck, mit dem er nicht durch die Stadt fahren konnte. Wir waren ziemlich geschafft, als wir nachts um halb 12 dort ankamen. Ricky hatte eine Veranda mit Sofa draußen. Da das Wetter auch angenehm warm war, schliefen wir einfach direkt auf der Veranda ohne das Zelt aufzubauen. Ich hatte Vanessa versprochen wenigstens einen Abend mit ihr ein Bier zu trinken, was wir dann abends mit etwa 6 Freunden von Vanessa taten. Es war das erste mal nach vielen Jahren, dass ich Bier probierte und feststellte, dass ich es wirklich mag. Ist zwar nicht mein absolutes Liblingsgetränk, aber in Neuseeland habe ich richtig gutes Bier gefunden!

Der Abschied von Vanessa am nächsten Tag fiel mir wirklich schwer! Die letzten 4 Wochen mit ihr waren einfach eine geile Zeit und sie ist mir noch mehr ans Herz gewachsen.

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