Huaraz (09.07-21.07)

Hohe Berge zum Wandern und Gletscherseen zum Schwimmen… =)

Ich kam zwei Tage vor Fabian in Huaraz an und merkte schon wie anders das Atmen ist. Es ist schwer zu beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn man atmet, aber trotzdem nicht so viel Luft bekommt, wie man braucht. Und Huaraz liegt gerade mal auf 3100m. Da ich noch gar keine Erfahrung mit Akklimatisationsphasen hatte, war ich sehr gespannt wie lange das so bleiben würde. Obwohl ich es wenig gemerkt habe, aber wenn ich zum Beispiel trinken wollte, ging das nur mit Atempausen. Ansonsten fühlte es sich an, als ob ich gerade ein Sprinttraining hinter mir hatte. So leicht kann Training sein. Da realisiert man mal, wie anstrengend Training auf Nullnieveau ist. Hier krigt man das quasi geschenkt. Ein kleiner Sprint reicht aus und man fühlt sich, als ob man 3 Stunden hart trainiert hätte! Das muss man ausnutzen! =)

Eigentlich wollte ich in den zwei Tagen noch gar nichts machen, um nicht zu viel Akklmatisationsvorsprung vor Fabian zu haben. Und wollte lediglich einen Plan vorbereiten, was ich mit Fabian gemeinsam unternehmen würde. Aber es kommt ja eh immer anders als man denkt. Also sind auch Pläne hinfällig. Mir erzählte jemand von der Wilcacocha, einem See auf 3700m von dem man eine schöne Aussicht auf die weißen Berggipfel (die Cordillera blanca) hat. Da 600m Unterschied für mich nicht viel klang, saß ich nur 10 Minuten später im Bus. Der Weg nach oben war doch ganz schön anstrengend… Aber immerhin kam ich besser hoch, als drei Jungs, die ich beim hochgehen kennen lernte. Es war mal wieder ein super Tag zum spanisch lernen, weil die 3 natürlich kein Wort Englisch sprachen. Ich war sehr froh, mit den dreien gemeinsam unterwegs zu sein, da wir beschlossen bis zum Sonnenuntergang dort oben zu bleiben. Und es sah mega beeindrickend aus, wie sich die Gipfel erst rosa färbten und dann vor einem lilanem Himmel wieder weiß wurden. Sie leuchteten dann förmlich vor dem dunkler werdenden Himmel. Alleine wäre ich so lange da oben geblieben, da wir im Dunkeln wieder runter mussten und dann vor allem sehr spät am äußeren Stadtrand ankamen. Ich fühle mich in Peru zwar viel sicherer als in Kolumbien, aber man hat sich trotzdem an gewisse Grundregeln zu halten. Wie zum Beispiel nicht mehr zu späten Tageszeiten in unbelebten Stadtbereichen zu sein. Aber in einer Gruppe fühlt man sich gleich viel besser und wir hatten einen witzigen Nachmittag da oben, bei dem wir uns gleichzeitig akklimatisiert haben. Außerdem habe ich mal wieder festgestellt, dass auch wenn das Risiko nachts größer ist, die Menschen die man trifft zu 98% trotzdem super nett sind.

Dadurch war jedenfalls der erste Tag weg, ohne dass ich irgendetwas organisiert hatte, aber ich hatte ja noch einen weiteren Tag. An dem machte ich mich wieder auf den Weg richtung Stadt. Nach nur einigen Metern saß jemand mit einem Jutebeutel (!!!) an der Straße. Jutebeutel sind unverkennbar deutsch! Und ich sprach ihn nur lachend mit:“ich weiß, dass du deutscher bist“, an. Till wartete gerade auf den Bus, um eine Tagestour zu machen und ich entschied spontan mit ihm gemeinsam zur Lagoona Churup zu fahren. Damit war dann auch der zweite Tag gefüllt. Tja, sorry Fabian…

Eigentlich hatte ich vor gehabt nach einer vernünftigeren Unterkunft zu suchen, weil das Hostel leider das hässlichste war, das ich erlebt hatte und ich nicht wollte, dass Fabian den Eindruck bekam, alle Hostels seien in Südamerika so schrecklich. Aber auch das ergab sich dann wie von selbst. Till war nur noch eine Nacht in seinem Airbnb Appartment und wir mussten nur mit dem Vermieter sprechen, dass ich es einfach übernehmen konnte.

Die Lagoona Churup, liegt auf 4450m. Bei ~4400m bekam ich Schwindel mit Trittunsicherheit und musste schon sehr aufpassen meine Füße ordentlich zu setzen. Als wir noch 90m höher zu einem Aussichtspunkt kletterten bekam Till Kopfschmerzen und wir machten uns fix wieder auf den Weg nach unten. Hoch waren wir etwa 4-5 und runter etwa 3 Stunden gegangen. Bei Till konnten wir richtig sehen, wie seine Hände anschwollen und sie schweißnass wurden. Wir beide waren etwas überrascht von der starken körperlichen Reaktion mit Ödemen.

Da ich nun doch keine Zeit hatte mich in der Stadt über sämtliche mögliche Touren zu informieren verließ ich mich auf meine super netten Hostelmitbewohner. Von denen bekam ich ebenfalls alle Informationen, sogar mit Bildern, Erfahrungsberichten, und Kritiken, weil sie mir nichts verkaufen wollten.

Ich hatte schon von dem Huayhuash Treck gehört, der wohl nach dem Anapurnatreck in Nepal der zweitschönste Treck der Welt sein soll. Er dauert 8 Tage und geht bis auf knapp über 5000m. Ich wünschte mir natürlich, dass das klappen würde, aber wichtiger war, ob das für Fabian mit so wenig Akklimatisationzeit möglich ist.

Fabian, den ich am nächsten Morgen vom Flughafen abholte, fühlte bei 3100m jedenfalls nichts und meine Hoffnung stieg. Weil die Wilcacocha so schön war und gleichzeitig auch eine super Einstiegstour ist, zeigte ich diese Fabian noch am gleichen Tag. Wir machten sogar Lauftraining in der Höhe, was mit dem Gefühl von normalem Lauftraining gar nichts mehr gemeinsam hatte. Für mich fühlte es sich total gut an mich mit so wenig Aufwand an meine absolute Leistungsgrenze zu bringen und ich hatte mega viel Spaß daran. Fabian machte auch mit, obwohl sich seine Begeisterung dafür eher in Grenzen hielt. Aber wir haben uns gegenseitig gut gepusht.

Für den nächsten Tag hatte ich eine Tour mit einem Veranstalter gebucht, bei der wir mit dem Bus bis auf 5000m hoch gefahren wurden und nur ~30m höher gehen mussten. Zum Glück fuhr der Bus nicht einfach 4 Stunden nach oben durch. Das hätte wohl kaum jemand verkraftet. Die erste Pause machten wir auf 4000m wo wir eine halbe Stunde zum akklimatisieren hatten. Dann ging es langsam höher und der Bus stoppte immer wieder um uns Zeit zum akklimatisieren zu geben und uns gleichzeitig coole Dinge anzusehen, die auf dem Weg lagen.

An einem Stopp hatte eine Frau zwei Lamas mit Sonnenbrille und Schmuck verkleidet, was super lustig aussah! Das müsst ihr euch einfach auf den Fotos anschauen und mir glauben dass sie in echt noch mal doppelt so cool aussahen, wie auf den Fotos, weil sie dabei super lustige, übertriebene Kaubewegungen gemacht haben!!! Wer weiß, was die Frau ihnen zu essen gegeben hat, damit die Tiere das so mit sich machen ließen…

Ansonsten hatten wir auf dem weg nach oben kleine Seen mit krassen, unterschiedlichen Wasserfarben. An einer Stelle strömte Gas nach oben, was man in einem kleinen Wasserloch sehr gut sehen konnte. Einmal hielten wir auch einfach an einer krasse Pflanzen an, von denen es dort jede Menge gab und der Guide erzählte uns ein bisschen was über diese Pflanze.

Als wir auf dem Parkplatz in 5000m ankamen mussten wir nur noch etwa 500m bis zum Gletscher gehen, wofür wir gefühlte Ewigkeiten gebraucht haben. Hier gab es extra Pferde für 90% der einfach nur faulen Touristen und wenige Leute, die ernsthafte Probleme hatten. Fabian, der einen sehr schnellen Schritt hatte, musste feststellen, dass das einfach nicht möglich war. Meistens sagt Fabian, dass er langsam gehen anstrengender findet. Da wir uns hier sowieso quälen musste, war es dann auch egal wodurch und langsames Gehen war das angenehmere Übel. Ein paar Schritte und viele Atemzüge später standen wir am Gletscher vor einer 10-20m hohen Eiswand die wirklich beeindruckend war! Die Sonne war so stark und warm, dass man sich gut einschmieren musste, um keinen Sonnenbrand zu kriegen. Trotzdem hielten die meisten Menschen das Wetter für kälter, als es war und trugen ernsthaft Jacken. Mir war schon in kurzer Hose und T-Shirt warm…

Ich hatte einen Bikini unter und wollte auf jeden Fall ein Foto im Bikini vor dem Eis. Ob ich ins Wasser wollte oder nicht hatte ich mir noch nicht überlegt. Eine Peruanerin konnte es kaum glauben, als ich mich auszog und fragte mich, ob wir ein Foto machen können, wie sie mich vom Gletschersee wegzerrt. Das war sehr witzig. Und als ich das Wasser nur mit den Füßen testete, wusste ich schon, dass ich auch schwimmen gehen würde. Wenn man schon ein paar mal Eisschwimmen war, empfindet man ein kurzes Schwimmen gar nicht mehr als kalt. Es fühlt sich eher an wie ein Schmerz auf der Haut, der danach sehr schnell warm wird, weil die Haut so gut durchblutet wird. Ziemlich viele Leute haben dabei zugesehen und mich wahrscheinlich für verrückt erklärt. Dabei haben die meisten sicherlich noch nie Eisschwimmen ausprobiert, um das überhaupt beurteilen zu können. Ich liebe und genieße es jedenfalls immer wieder!

Ich hatte Fabian gesagt, dass wir es von ihm abhängig machen, ob wir Huayhuash probieren und ob wir nach 2 oder 3 Tagen Akklimatisation für ihn starten können oder nicht. Da er sich aber in der Höhe so gut fühlte und keine Kopfschmerzen sondern nur leichten Schwindel bekam, beschlossen wir abends noch alle Vorbereitungen zu treffen, um morgens zu starten.

Dabei merkt man erst mal, wie viel Vorbereitung so ein langer Treck beinhaltet und an was man alles denken muss. Dementsprechend hatten wir abends keine Lust und Zeit mehr etwas zu kochen und aßen ein Hühnchen mit Salat und Pommes auf der Straße. Eine schlechte Wahl, wie wir erst am nächsten Tag mit einer Lebensmittelvergiftung feststellten.

Mir wurde gesagt der Bus zum Start des Trecks würde morgens um 5:30 fahren. Nur leider war die Uhrzeit falsch. Als wir Seelenruhig um 5:10 an der Bushaltestelle ankamen meinte jemand, dass unser Bus vor 10 Minuten gefahren sei und dass er auch nur ein mal am Tag fahre. Zuerst wussten wir einfach nicht, was wir machen sollten und überlegten noch ob wir einfach ein Taxi nehmen sollten, was für eine 3 stündige Fahrt wahrscheinlich kaum mehr als der Bus gekostet hätte.

Aber ich wurde mal wieder von der Hilfsbereitschaft der Peruaner beeindruckt! Der Mann der uns gesagt hatte, dass wir den Bus verpasst haben sprach mit einigen anderen Menschen und fand einen anderen Peruaner, der in einer Stadt auf unserem Weg zur Arbeit musste. Es gab noch die Möglichkeit mit drei unterschiedlichen Bussen zu fahren, bei der wir 2 mal umsteigen mussten. Ich dachte mir einfach mich an den jeweiligen Orten nach dem richtigen Bus durchzufragen und begriff erst hinterher, dass der alte Mann den anderen gebeten hatte uns immer in die richtigen Busse zu setzen, nur dass er im letzten Bus dann nicht mehr mitkam.

Das ist mir in Peru schon häufiger passiert. Egal was für ein Problem man hat, die Menschen versuchen grundsätzlich einem bis zur Lösung des Problems zu helfen. Da sie merken, dass mir die Sprache noch deutliche Probleme bereitet organisieren sie oft unter einander Leute, die mir bis zum Ende helfen. Z.B. wenn ich wissen will wie ich irgendwo hin kommt habe ich es hier noch nie erlebt, dass ich in eine Richtung geschickt wurde mit der Aussage mich dort weiter durchfragen zu sollen. Die Peruaner gehen zumindest mit dir vor die Tür, und zeigen dir den Weg, wenn es in der Nähe ist oder sie reden mit einem Taxifahrer, checken das der vertrauenswürdig ist und verhandeln vorher schon den Preis, damit er auch keinen Touristenbonus drauf schlägt und sagen ihm genau wo er mich hinbringen soll und ob er dort anderen Menschen noch kurz etwas für mich erklären soll. Oder wenn wenig Leute in einem Bus sind achtet der Busfahrer automatisch darauf, dass ich auch richtig aussteige. Wenn viele Leute im Bus sind, muss ich ihn nur darum bitten mir an einer bestimmten Stelle bescheid zu sagen. Z.B. in Lima hatten Fabian und ich die Situation, dass ich nach einem Busterminal gesucht habe und in einen kleinen Laden gegangen bin, um nach der Richtung zu fragen. Eine andere Kundin aus dem Laden erklärte mir den Weg, war sich aber nicht sicher, ob wir das wirklich finden und meinte, bevor wir ein Taxi nehmen, kann sie uns auch kurz mit dem Auto dort hin bringen. Hat uns dann aber auch nicht einfach abgesetzt, sondern mit den Leuten vor Ort gesprochen, damit ich auch wirklich im richtigen Bus lande und nicht versehentlich ein falsches Ticket kaufe. Ich kann es selber kaum glauben, aber ich habe mich noch kein einziges mal in Südamerika verfahren.

Ich bin etwas abgeschwiffen. Eigentlich sitze ich gerade mit Fabian in dem dritten Bus um nach Llamac zu kommen, als unsere Lebensmittelvergiftung vom Hühnchen des Vorabends richtig anfängt zu wirken. Ich saß schon am offenen Fenster des Busses, weil ich immer wieder einen Würgereiz bekam, aber nicht erbrechen konnte. Fabian ging es genauso und wir beide waren überaus glücklich, als wie unser Ziel erreichten. Wir kamen nur sehr langsam in gang und noch bevor wir losgehen konnten wurde Fabian sein Hühnchen wieder los. Ich wünschte mir aufgrund der Übelkeit so sehr erbrechen zu können, aber konnte nicht. Erbrechen ist einfach zu ekelig und mein Körper weigert sich ziemlich stark dagegen, das zuzulassen. Als wir uns doch irgendwann auf den Weg machten, wurde meine Übelkeit beim Gehen zumindest besser. Fabian konnte leider nicht mal in minimalen Mengen Wasser trinken, was bei dem Wetter (Höhensonne…) ein ziemlich großes Problem war. Wir hatten eine gefühlte Ewigkeit, etwa drei Stunden, für zwei Kilometer gebraucht, als wir um 14h beschlossen das Zelt aufzubauen und uns Schlafen zu legen. Ich schlief einfach bis 7h morgens durch. Fabian quälte sich etwas mehr und konnte leider nicht so viel schlafen. Dafür konnte er am nächsten morgen zum Glück wieder Wasser trinken. Ich hatte ihm gesagt, ihn ins Krankenhaus zu bringen, wenn er morgens immer noch keine Wasser trinken könne, was Fabian eher als Androhung aufgefasst hat, weil er Ärzte nur selten besucht. Zum Glück ging es ihm morgens zumindest ein bisschen besser und auch wenn er noch nicht essen konnte, schaffte er es Minischlücke zu trinken. Ich hatte nach rund 16 h Schlaf deutlich mehr Power und als Fabian sich eine längere Pause wünschte schickte er mich einen Hügel hinauf. Er sah eigentlich gar nicht so groß aus und ich dachte für ein Foto, wie ich auf dem Hügel stehe, könnte man da mal kurz hochlaufen. Naja, der Hügel war doch viiiiel größer, als er aussah. Es war auch für mich ziemlich anstrengend da überhaupt hoch zu kommen und in die Fotos muss man weit hinein zoomen um den winzigen Punkt der mich darstellt überhaupt finden zu können. Da Fabian die Kamera hatte und ich oben feststellte, wie mega schön die Aussicht von diesem Hügel aus ist, musste ich leider noch ein zweites mal rauf und runter laufen. Beides zusammen hat dann etwas über zwei Stunden gedauert, was Fabian aber auch gebraucht hatte. Jedenfalls hat er so viel Kraft gesammelt, dass wir abends sogar noch über unser Tagesziel hinaus liefen und das Zelt in 4300m aufbauten.

Obwohl wir die Hälfte eines heftigen Anstiegs schon hinter uns hatten, überholten uns die anderen Gruppen, die vom 150m tiefer liegenden Camp starteten noch vor dem Gipfel des Passes. Einen halben Tag später lernten wir Jeal kennen. Einen etwas älteren Mann, der mit seiner Freundin, seinem Sohn und einem Freund seines Sohnes unterwegs war.

Er war mit einem Guide unterwegs der ein Pferd dabei hatte, falls jemand mit der Höhe Probleme bekommen sollte. Er bot uns an, zumindest Fabians Rucksack vom Pferd tragen zu lassen und gab Fabian Kokablätter. Das war echt super! Und so konnten wir auch diesen Tag wieder weiter gehen als das Camp.

Wir fanden einen super geilen Schlafplatz für unser Zelt mit direktem Blick auf vier schneebedeckte Gipfel. Morgens war unser Zelt zwar von innen und außen mit Eis bedeckt, aber wir konnten trotz der Kälte gut schlafen. Morgens hörten wir permanent Lawinen, die sich an den Gipfeln lösten. Aber da sie nicht länger als ein paar Sekunden dauern, war es sehr schwer sie zu sehen. Fabian konnte eine Lawine beobachten. Ich habe leider keine gesehen. Dafür erreichten wir an diesem Tag eine Stelle mit 3 Seen, die jeh nach Anteil an frischem Gletscherwasser komplett unterschiedliche Farben hatten. Die Aussicht war so schön, dass ich hier sagte, nur für diesen Ausblick hat sich die Route schon gelohnt. Und in den nächsten Tagen kamen noch viele solcher Momente. Von einigen werde ich euch Fotos zeigen, aber eigentlich habe ich dauerhaft jeden Moment genossen. Wir haben zwei Pässe über 5000 Höhenmetern überquert und mein höchster Aussichtspunkt lag auf 5100 Metern. Und ich war überrascht, wie gut wir beide die Höhe vertrugen! Das motivierte mich extrem!

Außerdem habe ich festgestellt, dass Kokablätter tausend mal geiler sind als Kaffee oder Red Bull. Als ich am dritten Tag etwas schlapp war, gab uns jemand auf dem Weg ein paar Kokablätter. Fabian kaute seine komplette Portion (etwa 7-8 Blätter) auf einmal und fühlte sich nach 30 minuten ein bisschen besser. Ich hatte nur 3 Blätter gegessen und den Rest für die nächsten Tage aufgehoben. Ein kurzes Stück später hatten wir einen sehr steilen Anstieg bis auf 4850 Meter vor uns und ich war gerade noch am überlegen, wie lange ich wohl brauchen würde, da hoch zu kriechen, als die Wirkung der Blätter einsetzte. Ich hatte plötzlich das Gefühl leichtfüßig wie eine Gazelle hinauf hüpfen zu können und genoss die Aussicht, wenn ich auf Fabian wartete mit voller Lebensfreude. Ich hatte kein Herzrasen oder innere Unruhe wie von Koffeein und die Blätter schmecken nicht im Ansatz so eklig wie Red Bull. Ich fühlte mich wie ein mega Energiebündel, dass komischer Weise nicht vollkommen überdreht war. Die Blätter gaben mir so viel Power, dass in der Höhe etwas joggen konnte und bei meinen Handständen eine super gute Balancecontrol hatte (Das meine Balance so viel besser wurde hat mich am meisten überrascht!)

Wir hatten viele sehr lustige und coole Momente in den Bergen, aber für zwei Wochen jede Minute miteinander zu verbringen ist für jede Freundschaft eine Probe und man streitet sich auch mal. Trotzdem lernt man sich dadurch auch deutlich besser kennen und der Urlaub hat unserer Freundschaft sehr gut getan.

Wie wir das geschafft haben weiß ich ehrlich gesagt nicht, weil es anfangs total unmöglich schien, aber wir waren trotz der Lebensmittelvergiftung schon nach 7 Tagen mit dem Treck fertig. Dabei hatten wir bis zum Ende des dritten Tages überlegt aus Zeitmangel umdrehen zu müssen. Nachdem wir den Direktbus auf der Hinfahrt schon verpasst hatten, fragte ich um so häufiger, wann denn der Direktbus zurück fahren sollte und bekam jedes mal eine andere Aussage entweder um 11 oder um 12h. Wir versuchten vor 11 in der Stadt die Stadt zu erreichen, aber das letzte Wegstück war einfach fieß! Es ging permanent hoch und runter, so dass wir im Endeffekt mehr Höhenmeter gehen mussten, als wir gerechnet hatten. Und kamen erst um kurz vor 12 in der Stadt an, wo wir feststellten, dass der Bus um 11:30 gefahren war. Scheinbar kennt einfach keiner die richtige Zeit. Ein Peruaner bot uns an uns in einem Kamion mitnehmen zu können. Das ist je nach Region die typische Weise der Südamerikaner zu reisen und ist quasi ein LKW in dem hinten so viele Menschen transportiert werden, wie hinein passen. Außer uns war aber niemand weiter dabei und da wir zwei Stunden durch unbesiedelte Gebiete fuhren, durften wir oben auf der Gepäckablage sitzen und hatten dort unheimlich viel Spaß! Sobald wir durch Städte fuhren, mussten wir uns auf sehr unbequeme Plätze quetschen.

Da wir nun auch einen Tag eher in Huaraz waren und Fabian 10 Stunden auffenthalt in Lima gehabt hätte, beschloss Fabian seinen Flug von Huaraz nach Lima verfallen zu lassen und mit mir gemeinsam einen Nachtbus nach Lima zu nehmen. Wir hatten genug Zeit uns noch einen entspannten Tag in Huaraz zu machen und mussten uns dafür nicht irgendwo in Lima treffen und vor allem musste Fabian sich nicht mit Englisch irgendwo durchfragen. In Lima hatten wir ebenfalls einen unheimlich tollen Tag. Als wir so durch die Stadt striffen, folgten wir einfach mal lauter Musik und fanden eine große Tanzveranstaltung für Kinder. Etwa 700-800 Leute tanzten Choreographien vor einer großen Bühne. Alle waren rot oder weiß gekleidet und überall liefen Kinder rum, die gerade nicht mit tanzten.

Scheinbar fehlte irgendwo eine Absperrung. Zumindest standen wir plötzlich mitten in dem Trubel und wurden von Kindern belagert, die uns Spanisch beibrachten und uns über alles mögliche ausfragten. Es war super lustig, aber irgendwann konnten wir flüchten, um die Situation aus sicherer Entfernung zu beobachten. Aber auch hier fanden uns die Kinder. Als sie mir Blumen schenkten und merkten, dass ich mich sehr darüber freute rannte die ganze Kinderschaar plötzlich weg und stand nur wenige Minuten später erneut breit grinsend mit noch viel mehr Blumen vor mir! Stellt euch einfach nur kurz eine Kinderschaar mit leuchtenden Augen und Blumen in der Hand vor, die sie euch schenken wollen, dann wisst ihr wie ich mich gefühlt habe! Und es waren so viele Blumen, dass ich sie nicht mal alle mit beiden Händen halten konnte.

Ansonsten waren wir noch in einer Galerie und in der Stadt, bevor ich Fabian in ein Taxi zum Flughafen setzte und ich selber mich auf den Weg nach Süden machte. Ich hatte noch eine 4 stündige Fahrt vor mir.

Mein nächstes Ziel war Paracas. Von dort aus konnte man eine Bootsfahrt zu den Islas Balletas machen, die quasi Galapagos für arme sind. Der Hauptunterschied liegt darin, dass man diese Inseln aus Naturschutzgründen nicht betreten darf und kann. Man fährt nur mit dem Boot um die Inseln herum und sieht die Tiere vom Boot aus. Die Inseln sind so dicht bevölkert, dass man definitiv mehr als 10 000 Vögel auf einen Blick sieht. Ich habe so etwas noch nie live gesehen und war extrem beeindruckt von der Vogelschwärmen, die wahre Meister im Formationsfliegen sind! Wenn dann einfach mal ~100 oder mehr Tiere in einer Formation nur einen Meter über dem Wasser oder direkt neben dem Boot her fliegen, bleibt einem vor staunen der Mund offen stehen. Nur der Gestank hat diese Momente ein bisschen weniger traumhaft gemacht. Vögel produzieren grundsätzlich einen sehr süßlichen Gestank den, die meisten wohl in sehr geringer Konzentration kennen. Dieser war leider so stark, dass mir kurz vorm schlecht werden war und ich hätte nicht näher an die Inseln heran gewollt. Die Artenvielfalt war gigantisch! Vögel fasse ich mal als große Rubrik zusammen. Ansonsten haben wir Pinguine, Delfine und Seelöwen beobachten können. Die Fahrt dauerte nur 1,5 Stunden, aber es war trotzdem atemberaubend!

Hier habe ich ausnahmsweise mal die Situation gehabt, dass eine Touristentour wirklich günstiger und besser organisiert wäre, als auf eigene Faust los zu fahren. Aber ich hatte von jemandem den Tipp bekommen, dass es alleine ganz entspannt zu organisieren sei…

Anschließend ging es direkt weiter mit dem Bus nach Huacachina. Einer Oase zwischen 200m hohen Sanddühnen. Ich kam gerade so rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang an, so dass ich mich sputen musste mich die Dühnen hinauf zu kämpfen. Ich hatte nie darüber nachgedacht, wie anstrengend das ist eine Sanddühne hinauf zu laufen. Aber man rutscht bei jedem Schritt ein gutes Stück nach unten und kommt dadurch nur in Minischritten vorwärts. Direkt an meinem Hostel war natürlich einer der steilsten Hänge der Dühne und ich sah, dass an dieser Seite nur eine einzige Schrittspur nach oben führt. Naja, das scheint ja möglich zu sein, wenn da schon vor mir jemand hochgegangen war, dachte ich mir und begriff nach den ersten drei Schritten, warum niemand sonst so dumm war diesen anstrengenden Weg zu nehmen. Aber der andere flachere Weg wäre so lang gewesen, dass ich ihn wahrscheinlich nicht rechtzeitig geschafft hätte. Nach etwa 20 Metern merkte ich meine Waden und ich fing an zu schwitzen. Da beschloss ich dann meine Schuhe auszuziehen. Barfuß konnte ich den Fuß tiefer in den Sand stecken und besseren halt bekommen. So kam ich dann etwas besser voran. Die Jungs, die vor mir dort hinauf gegangen waren hatten zwei Hunde dabei und haben die Hunde an dem steilen Hang trainiert, was super lustig war. Einer der Jungs ist 50m weiter runter gelaufen während der andere die Hunde oben festgehalten hat. Dann hat der untere sie zu sich gerufen und die Hunde sind in enormer Geschwindigkeit auf ihn zu gelaufen. Konnten natürlich nicht so einfach bremsen und überschlugen sich 2-3 meter unter ihm und versuchten als erster bei ihm anzukommen. Der oben stehende hatte zur Motivation noch ein Leckerli in der Hand, als er nach den Hunden rief. Ich hätte so gerne ein Video davon, aber leider habe ich zu spät daran gedacht. Jedenfalls sind die Hunde losgesprintet, so dass man jeden Muskel arbeiten sehen konnte. Mit diesen super kraftvollen Bewegungen haben die Hunde sich dann im Schneckentempo den Berg hinauf bewegt. Ich musste mich todlachen bei diesem Bild!

Im Hostel habe ich Gusto kennen gelernt. Er trainiert seit 2 Jahren jeden Tag Tricklining und so habe ich endlich mal jemanden zum trainieren gefunden. Er möchte gerne als Artist im Zirkus arbeiten und dementsprechend trainiert er auf einem deutlich höheren Niveau. Ich konnte viel von ihm lernen. Sowohl über Slacklining und Tricklining, als auch über mentale Stärke beim Training. Eigentlich wollte ich nur kurz im Gemeinschaftsraum sitzen, aber bei interessanten Gesprächen vergisst man die Zeit schnell mal und plötzlich waren 4 Stunden vergangen. Wir hatten neben dem Sport aber sehr viele interessante Themen. Unter anderem z.B. dass er ein Projekt gegen Müll auf der Straße gestartet hat. Er meinte es sei zwar sehr schwer, gegen die Südamerikanische Mentalität anzukommen, nach der die Menschen ihren Müll einfach auf der Straße entsorgen, aber in den letzten Jahren habe sich schon viel verändert.

Ich wollte mir gerne den Sonnenaufgang von einer Dühne aus ansehen und bin extra um 5:30 aufgestanden, aber leider hing der Nebel morgens wie eine Dunstglöcke über Huacachina und man konnte gar nichts sehen. Gusto der schon um 6 mit all seinem Slacklinekram vor der Tür des Hostels stand, meinte nur, dass wir dann am besten direkt die Line aufbauen. Um diese Zeit hat man sogar an den schönsten Plätzen der Oase seine Ruhe. Und so habe ich 2 Stunden sehr konzentriert auf der Slackline trainiert. Danach haben wir die Trickline aufgebaut. Der Unterschied bestand überwiegend darin, dass diese Line viel höher hängt (etwa Kopfhöhe), sie etwa 20m lang ist, sehr hart gespannt werden muss und wir Matten darunter liegen hatten. Hier konnte ich nur mit Basics anfangen, was schon schwierig genug war. Gusto hat Saltos und sämtliche andere Tricks trainiert, was bei ihm spielerisch leicht aussah. Das war wirklich beeindruckend. Nach dem Training ging ich noch auf eine andere Dühne hoch. Diesmal aber den langen, weniger anstrengenden Weg. Es gab zwar überall Sandboards, aber komischerweise sah ich nie jemanden Sandboarden. Ich traf nur ein Mädchen, die mit einem Board unterwegs war und meinte, dass sie eigentlich gut Snowboarden kann und das Gefühl schon ähnlich, aber doch anders und härter ist. Ich fühlte in diesem Moment direkt den noch ganz leicht vorhandenen Schmerz an meinem Steißbein von meinem ersten Snowboardversuch im März und entschied das lieber sein zu lassen. Zumahl es alleine eh nicht so cool gewesen wäre.

Ich wollte diesen Tag noch nach Cusco fahren. Da in Cusco aber gerade ein Nationalfest stattfand, waren alle Busse voll und es gab keine Tickets mehr. Nicht mal super überteuerte. Daher machte ich mich nachmittags auf den Weg in die nächste Stadt, um direkt am Busterminal zu fragen. Da bekam ich mit 6 Stunden Wartezeit ein Ticket, dass sogar noch bezahlbar war, auch wenn es das teuerste war, was ich in ganz Peru überhaupt je ausgegeben hatte. Eine Stunde später kam mein Zimmernachbar aus meinem Hostel zufällig zum gleichen Terminal und meinte sein Bus würde in einer Stunde nach Cusco fahren. Als der Bus kam fragte ich, ob jemand vielleicht den Bus verpasst hatte oder sie aus anderen Gründen irgendwie noch einen freien Platz haben und ich hatte wirklich das Glück, einen letzten freien Platz zu bekommen und mein Ticket auch ohne Probleme auf diesen Bus umschreiben lassen konnte. Jupiduu!!!

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