Mexiko, Playa del Carmen (21.05.-05.06.)

Hier war alles dabei Stress, Entspannung, eine menge Spaß, geile Cenoten und Pyramiden, Krankheit…

Als ich abends am Flughafen ankam holte Alvaro Sven und mich gleichzeitig ab. Hat aber Sven nicht gesagt, dass er ihn mal eben 4 Stunden warten lässt. Entprechend war die Stimmung. Sven wohnt schon seit einem Jahr bei Alvaro und arbeitet immer mal wieder als Reiseführer. Er ist ebenfalls deutsch. Mit Alvaro stimmte irgendwas nicht. Er war definitiv nicht normal sondern total überdreht und teilweise verwirrt ist dann mit 170 gefahren, wo nur 60 erlaubt war und eigentlich wollte ich lieber aus dem Auto raus. Er hielt vor einer Bank an. Fragte mich ob ich Geld holen wolle und als ich ja sagte fuhr er wieder los. Sven und ich verstanden es beide nicht. Ein paar Meter weiter hielt er wieder an, weil er was essen wollte. Da sind wir auch ausgestiegen, aber nach 3 Minuten meinte er, dass er jetzt weiter fahren würde und ist wieder zum Auto geflitzt. Als Erklärung sagte er nur, seit 30 Stunden nicht geschlafen zu haben und deswegen ein bisschen überdreht zu sein. Aber das sah nicht nur nach Schlafmangel aus, eher als wenn er irgendwelche Drogen genommen hat. Selbst Sven der ihn ja schon lange kannte, hat ihn noch nie so erlebt und meinte Alvaro wäre komisch.

Alvaro zeigte mir mein Apartment, gab mir aber keinen Schlüssel. Dann fuhr er mit uns in die Stadt, weil wir eigentlich zu dritt was essen wollten. Ich hatte zwar keinen Hunger, aber bin aus Höflichkeit mitgegangen, weil ich auch dachte, in einer ruhigeren Situation besser mit ihm reden zu können und zwar auf englisch. Momentan sprach Sven mich die ganze Zeit auf deutsch an, was Alvaro nicht verstehen konnte oder er sprach Alvaro auf Spanisch an, so dass ich nichts verstand. Ich sagte auch, dass es mir lieber wäre einfach Englisch zu sprechen, aber Sven switchte immer wieder zu Deutsch und Spanisch. Angeblich spricht Sven gut englisch, aber wann immer ich ihn auf englisch angesprochen habe, wenn andere Menschen dabei waren, hat er mich nur vollkommen verständnislos angesehen und auf deutsch geantwortet. Es war hoffnungslos ihm das verständlich zu machen. Jedenfalls war es oft eine blöde Situation, weil ich natürlich nur die Hälfte verstand und dachte, dass Sven und Alvaro Absprachen treffen würden. Taten sie leider nicht. Alvaro fuhr plötzlich einfach nach hause und ließ uns alleine in der Stadt stehen.

Mein Apartment öffnete er und ließ es unabgeschlossen, so dass ich später rein konnte. Auch wenn es vorher schon zwei Schlösser gab, um überhaupt in den Hinterhof zu kommen, fühlte ich mich damit nicht wirklich gut. Alle Wertsachen hatte ich natürlich direkt bei mir, aber mein großer Rucksack stand im Apartment.

Sven brachte mich in ein deutsches Lokal, wo auch jeder deutsch sprach. Dabei hat mir das englisch Sprechen gerade so viel Spaß gemacht. Auf deutsches essen hatte ich in Mexiko wenig Lust, war dann aber auch mit einem Salat zufrieden. Es war eh zu spät, um was schwereres zu essen.

Am nächsten Morgen war Alvaro etwas besser drauf, aber definitiv noch nicht normal. Er schaffte es zumindest nach mehrmaliger nachfrage mir einen Schlüssel zu geben. Nach dem Internetpasswort habe ich drei mal gefragt, aber er konzentrierte sich maximal für 10 Sekunden (manchmal auch nur für 3-4 sec) auf etwas und sprang dann im Thema. Die Zeit reichte jedenfalls nie aus, dass er es hätte finden können. Es dauerte dann auch noch 6 Tage und unendlich oftes nachfragen, bis er mir das Passwort gab. An diesem Tag stritt er sich mit anderen Nachbarn, die schon zwei Jahre hier wohnten so, dass diese am gleichen Tag noch auszogen und ich auch ein anderes Apartment buchte. Alvaro war mir suspekt. Er wiederholte sich permanent und erzählte mir ein und die selben Sachen, als ob er sie das erste mal sagen würde. Und teilweise Dinge die einfach nicht nachvollziehbar waren. Am ersten Tag wollte ich ihm drei mal das Geld für die erste Woche geben. Ich hatte es in der Hand, aber er war zu abgelenkt, um es anzunehmen. Naja ich dachte es ihm halt später zu geben, wenn er ein bisschen klarer im Kopf ist. Habe ihn dann aber die nächsten drei Tage nicht gesehen und von meinen Nachbarn nur gehört, dass er sich darüber aufgeregt hätte noch kein Geld von mir bekommen zu haben. Ansonsten war er sehr nett zu mir, wollte aber viel zu viel mit mir reden, meinte immer ich soll in sein total verdrecktes Apartment kommen, weil er mir am Computer etwas zeigen wolle und zeigt mir dann bei youtube teilweise einfach nur Werbung, über die er sich totlachte. Zudem ist er ein Trump-Fan und hat echt viel Bullshit erzählt. Dann wollte er mir immer Schokolade und Früchte anbieten, wo mich aber der Ekel überkam. Ich hätte aus dieser Wohnung nichts essen können.

Da ich Alvaro über einen Freund kannte, der im Februar, als er noch normal war, bei Alvaro gewohnt hat, fehlte leider auch die Hemmschwelle, mich wie jeden anderen Besucher zu behandeln. Oft kam er einfach ohne anzuklopfen in mein Apartment. Entweder um mir irgendwas zu erzählen oder um einen Wasserkanister auszutauschen,… Meine Wertsachen hatte ich grundsätzlich lieber bei mir. Nur mit dem Laptop war es manchmal schwierig. Je nach dem was ich Tagsüber geplant hatte wollte ich den Laptop manchmal nicht so gerne mitnehmen. Z.B. zum Schnorcheln,…

An meinem ersten Tag in Playa del Carmen zeigte Sven mir die Stadt und einen Strand an dem er sehr gerne war. Ich bin einfach kein Mensch der gerne am Strand gammelt und oberflächliche Gespräche führt. Sven ist sehr nett aber einfach nicht auf meiner Wellenlänge, wie ich schnell gemerkt habe. Ich nutzte die Zeit am Strand daher mehr zum trainieren, womit ich sehr glücklich war. Sven ist übergewichtig und sehr unbeweglich. Scheinbar war er früher mal ein sehr guter Tänzer, denn tanzen und führen kann er trotzdem noch gut, auch wenn ich ihm das nicht zugetraut hätte. Zumindest den Salsa Grundschritt und Batschata brachte er mir in den nächtsten Tagen ein bisschen bei. Wenn ich durch Südamerika reise muss ich auf jeden Fall Salsa lernen!

Abends lernte ich Rene, einen guten Freund von Sven kennen, der Mexikaner ist, aber 14 Jahre in Deutschland gelebt hat und auch perfekt deutsch spricht. Mit Rene habe ich mich auf Anhieb super verstanden.

Am nächsten Tag ging es Sven nicht gut. Er hatte Magenprobleme und wollte lieber zu hause bleiben. Rene und ich hatte vor in fußläufiger Nähe zu einer Cenote zu gehen, haben uns dann aber spontan umentschieden und sind mit dem Bus nach Puerto Morelos gefahren. Einen Nachbarort der mega schön ist und der Strand dort war tausend mal geiler, als in Playa del Carmen. Als Sven Mittags nachkommen wollte und feststellte, dass wir „unangekündigt“ (wie er es formulierte) in einen anderen Ort gefahren sind hat er sich total aufgeregt. Allerdings so, dass wir uns totlachen mussten. Er hat alles total übertrieben und wollte auf keinen Lösungsvorschlag eingehen. Rene bot ihm an, seine Taxifahrerin zu ihm zu schicken, damit diese ihn zum Bus brachte. Der Bus fährt nur 20 Min, aber Sven fährt doch nicht mit dem Bus. Er meinte wir hätten doch bitte zu dritt das Taxi nehmen können,… Man merkte sehr deutlich, dass er wollte, dass wir uns doch bitte sofort in den Bus setzen und zu ihm kommen, denn er müsste sich ja wegen uns den ganzen Tag langweilen. Oh man, so ein intoleranten Menschen habe ich selten erlebt. Wir haben es mit Humor genommen und mehrere seiner Sprachnachrichten haben uns noch die ganzen nächsten Tage zum lachen gebracht. Natürlich sind wir in Puerto Morelos geblieben.

Es gibt hier überall an den Bars schaukeln zum Sitzen!!! Das ist sooo geil! Wir saßen an einer Strandbar und genossen einfach richtiges Karibikfeeling! Rene hat sich vor nicht all zu langer Zeit eine Spiegelreflexkamera und vor 2 Wochen 5 unterschiedliche Objektive gekauft. Das heißt wir haben einfach unendlich viel Zeit mit unterschiedlichen Kameraeinstellungen verbracht und dabei sind auch ein paar sehr geile Fotos entstanden. Fotografie ist ein Thema mit dem ich mich eh mehr beschäftigen möchte und es hat einfach nur Spaß gemacht. So war der Tag auch recht schnell um und als wir abends nach Playa del Carmen zurück fuhren, trafen wir den schimpfenden Rohrspatz in der Stadt. Als wir ihm die Situation aus unserer Sicht erklärten merkte er selber sehr schnell, dass er überreagiert hatte und nach 10 Minuten hatten wir zwar immer noch seinen Tag zerstört, aber es war alles wieder in Ordnung.

Was für ein geiler Ausblick!!! Ich habe leider auf allen anderen Bildern nur einen Bikini an…

Rene ist auch Reiseleiter und hatte für den folgenden Tag eine Tour ins Sia´n Kaan Gebiet, die eigentlich 130 Euro gekostet hätte und zu der er mich für 50 Euro mitnehmen konnte.

Bei der Tour ist man hauptsächlich mit dem Boot unterwegs. Wir haben zuerst ein Krokodil und Pelikane gesehen, dann eine Seekuh, danach Delphine, die direkt neben dem Boot her schwammen, dann Riesenschildkröten, Komorane, dann hatten wir noch zeit zum Schnorcheln, waren anschließend noch in einem traumhaft schönen Gebiet zum „plantschen“ bzw. auf einer Sandbank in hüfthohem Wasser und wer wollte konnte Tequila trinken oder einfach Spaß haben. Alles in allem ein ziemlich genialer Tag!

Rene begleitete mich auch am nächsten Tag, zumindest den halben Tag, weil er nachmittags arbeiten musste. Wir fuhren 3 Stunden (!) nach Valladolid zu der schönsten Cenote die ich überhaupt hier gesehen habe. Ein Wasserfall fließt in die Cenote hinein! =) Normalerweise würde man mit dem Auto 1,5 Stunden fahren. Aber scheinbar wollte der Bus ein Schneckenrennen verlieren und kroch gemütlich über die Straßen. Der Eintritt für die Cenote war mit etwa 8 Euro verhältnismäßig günstig im Vergleich zu anderen Cenoten und als wir dann feststellten, dass darin ein Buffet enthalten war, für das man normalerweise in der Stadt 15 Euro zahlen würde waren wir sehr überrascht.

Die Selva Maya Cenote war etwa 20m tief und man darf darin schwimmen. Bzw. von der Treppe ins Wasser springen!!! Oh man wie glücklich ich dort einfach war! Ich habe auch ganz viele Videos mit der Gopro gemacht, während ich gesprungen bin, oder wie wir gemeinsam unter dem Wasserfall waren,… Leider habe ich später mit der Gopro statt Videos auch Bilder gemacht und festgestellt, dass die Kamera einfach alle Videos von der Selva Maya überschrieben hat. Das war wirklich schade, weil ich sie mir nicht einmal ansehen konnte.

Anschließend fuhr ich mit dem Bus noch 45 min weiter zu den berühmtesten Mayapyramiden nach Chichen Itza. Ich zahlte hier wirklich viel Eintritt dafür, dass es nach 5 Minuten, die ich drin war anfing zu tröpfeln. Ich wusste noch nicht so richtig, was ich zu erwarten hatte, aber an den hektischen Reaktionen der lokalen Souvenierhändler erkannte ich, dass ich nicht viel Zeit hatte, ich flitzte wirklich schnell durch den vorderen Bereich der Anlage und sah zumindest einen Bruchteil. Ich hatte sogar 30 Minuten, bis ein weltuntergangsähnlicher Regen herunter kam. Alle Menschen flüchteten in den überdachten Eingangsbereich, der zum Glück groß genug für die geschätzten 3000 Leute war. Nach 10 Minuten konnte man sehen, dass das Wasser draußen etwa 5 cm hoch stand und eine Treppe wie einen Bach hinunter floss. Die Anlage weiter anzuschauen war leider nicht möglich und auf den Bus der dann 3:45 Stunden nach hause brauchen würde musste ich auch noch 1,5 Stunden warten. Allerdings hatte der Tag so super angefangen, dass mir auch das den Tag nicht vermiesen konnte. Ich war trotzdem froh über das was ich in den 30 Minuten hatte sehen können. Normalerweise braucht man etwa 4 Stunden Zeit für Chichen Itza. Naja, so konnte ich die Pyramide vor dramatischem Hintergrund fotografieren…

  

Den nächsten Tag war ich wirklich mal ganz alleine unterwegs. Ich war sehr gespannt, ob ich irgendwann sprachliche Schwierigkeiten bekommen würde, aber das war erstaunlicher Weise gar nicht der Fall. Also setzte ich mich in den Bus, um nach Tulum zu fahren.

In Tulum ging ich zuerst in die Tulumruinen. Eine ehemalige Verteidigungsanlage und ein Sternenbeobachtungsort. Die Sterne, besonders die Venus, spielen in der Mayakultur eine sehr große Rolle. In der Anlage gab es Fenster mit bestimmten Ausrichtungen, um die Position der Sterne genau berechnen zu können.

(Das Tier in Bild Nummer 5 ist übrigens ein Coati. Voll süüüß! Der hat sich ganz entschannt im Dreck gesuhlt und sich nicht von den 50 Kameras um ihn herum stören lassen…)

In Tulum verbrachte ich den ganzen Vormittag. Nachmittags machte ich mich auf den Weg nach Coba (500-900), wo deutlich ältere Pyramiden, als die Chichen Itza Pyramiden (600-1200) stehen. Diese Anlage hat mich unheimlich beeindruckt, was aber auch daran lag, dass ich viel mehr Zeit und Ruhe hierfür hatte. Hier stehen jede menge Steintafeln mit Bildhauereien oder Mayainschriften. Außerdem darf man auf eine Pyramide hochgehen. Eigentlich ist es einfach eine ganz normale Treppe nach oben, da aber die Steine unregelmäßig sind und keine perfekten gerade Kanten haben, sollte man schon ein bisschen schauen, wo man hin tritt. Für den Fall, dass die Steine vom Regen nass und rutschig sind war es auch schon sinnvoll, dass einfach mittig auf der Treppe ein dickes Seil zum Festhalten lag. Ich hätte mich todlachen können, als ich die Menschen beobachtet habe! Bei vielen hat das Seil nämlich den Effekt gehabt, dass sie den Aufstieg als gefährlich eingestuft haben, darauf hin sehr viel Angst hatten und sich am Seil festklammernd auf allen Vieren die Treppe hochgekrochen sind. Klar ein paar % der Menschen hatten vielleicht echte Höhenangst, aber nicht ~70% aller Besucher. Wirklich nur die wenigsten sind ganz entspannt wie ich die Treppe hoch und runter gegangen. Wobei die Höhe der Pyramide echt beeindruckend ist. Man ist in 40m Höhe deutlich über den Baumkronen. Der Regenwald liegt wie ein grüner Teppich vor einem und da oben könnte ich stunden lang einfach die Aussicht genießen!

Das zweite Bild zeigt eine Spielfeld der Mayas, man muss irgendwie einen Ball durch den Ring des Gegners spielen. Fragt mich aber bitte nicht nach Details. Aber die Ringe sieht man immer wieder irgendwo.

Gegen frühen Abend war ich im Apartment zurück. Eine Putzfrau ist da gewesen. Ich habe alle meine Sachen kontrolliert und festgestellt, dass nichts fehlt. Aber eine Info vorher wäre schön gewesen. Außerdem hatte Alvaro eine Jacke von sich selber über einem meiner Stühle vergessen und er hatte das Hundefutter für einen Hund der im Hinterhof lebte in meinem Apartment deponiert. Ich hatte eh schon das Gefühl, dass er auch in meiner Abwesenheit in die Wohnung ging, aber das war jetzt der eindeutige Beweis.

Alvaro meinte nur er würde später noch mal vorbeikommen, weil er gerade weg müsse. Meine Begeisterung hielt sich darüber sehr in Grenzen. Könnte man überhaupt mit ihm reden, hätte ich ihm gerne gesagt, dass das so nicht geht und ich mehr Privatsphäre brauche. Naja, als er dann doch nicht mehr kam, bin ich schlafen gegangen. Um 2 Uhr Nachts stand er plötzlich an meinem Bett und erzählte mir, dass er seine Mutter und seinen Bruder vom Flughafen abgeholt hätten und er jetzt im Auto schlafen müsse. Ich bin leider gar nicht wach genug geworden, um überhaupt zu wissen wer gerade mit mir redete und meinte nur, er könne sich auf die andere Seite des Bettes legen, da ich es gewohnt bin, dass häufiger mal Freunde neben mir schlafen. Als ich um 4 Uhr wach wurde und schockiert feststellte, dass jemand neben mir liegt, musste ich erst mal in meinem Gedächtnis kramen. An einzelne Bruchstücke der Situation vor 2 Stunden konnte ich mich dann langsam wieder erinnern. Aber weiter schlafen konnte ich gar nicht mehr. Ich ging mit meinem Computer nach draußen und setzte mich vor Svens Apartment, weil ich da sein Internet nutzen konnte. Zwischendurch ging ich mal in meine Küche um Frühstück zu kochen. Alvaro wirkte wie eine Leiche und bekam nichts mit. Er schlief bis 12 Uhr Mittags. Ich wollte nicht weg gehen und mein Apartment unabgeschlossen lassen und darauf vertrauen, dass Alvaro es hinter sich abschließt wollte ich auch nicht. Naja, man kriegt einen Tag am Computer auch sehr leicht rum. Allerdings hatte ich nicht daran gedacht die Tasche mit meinen Wertsachen bei mir zu haben, weil ich ja nur eine Etage höher auf der Treppe saß. Das war eine teure Lernerfahrung, weil Alvaro mir nicht nur Geld gestohlen hat (~70 Euro), sondern auch mein Handy mit der deutschen Nummer. Das mit der amerikanischen Nummer hatte ich zum Glück bei mir. Mein Geld habe ich an unterschiedlichen Stellen in der Tasche verteilt, damit jemand nicht gleich alles klaut. Allerdings war ich selber so gestresst von der aktuellen Situation, dass ich das gar nicht bemerkte. Mit Svens Internet suchte ich auf jeden Fall gerade nach einer neuen Bleibe und hatte auch bald eine gefunden, in die ich aber erst 4 Tage später einziehen konnte. Es war gar nicht so leicht etwas zu finden, was so kurzfristig 10 Tage durchgängig frei gewesen wäre. Heute war der Tag, wo die Familie mit Kind ausgezogen ist, weil Alvaro total durchgedreht ist. Er hat einfach das Nummernschild vom Motorrad meines Nachbarn abgeschraubt und einbehalten, weil mein er die Miete ein paar Tage zu spät bezahlt hat. Und früher war er damit immer ganz locker umgegangen und meinte das wäre kein Problem. Alvaro hat erst vor etwa 6-7 Wochen angefangen Drogen zu nehmen, nachdem seine Freundin ihn verlassen hat. Laut der Mutter litt er an einer Psychose und hatte niemals was mit Drogen zu tun… ja klar…

Ich war Samstag schon früh morgens unterwegs. Ich konnte hier grundsätzlich nicht gut schlafen und war morgens um spätestens 6 wach. Dementsprechend früh war ich schon unterwegs. Wäsche zur Wäscherei bringen und mal wieder einkaufen,… als ich um 8:30 zurück kam stand meine Apartmenttür weit offen und mein großer Rucksack war weg. Der Laptop stand zum Glück noch an seiner Stelle. Ich war einfach geschockt! In Panik packte ich meine restlichen Sachen, die noch im Apartment waren (was nicht mehr viel war, nur noch mein Badezimmerkram und ein paar Lebensmittel) und rief nach Alvaro. Dieser kam seelenruhig runter und meinte dass er meinen Rucksack nach oben gebracht hätte und ich nur umziehen würde. Er war gerade noch dabei mein neues Apartment aufzuräumen, weil es vorher total verdreckt war. Ich verbrachte also den halben Tag mit putzen, weil ich mich sonst geekelt hätte. Immerhin hatte ich frisches Bettzeug. Warum ich das Apartment wechseln musste hat er mir nicht erklärt und auf nachfrage meinte er nur, dass er für 2 Tage nach Merida fahren müsse. Er bot mir an mitkommen zu können, aber ich war sehr froh zu wissen, dass ich meine Ruhe habe.

Gegen Mittag musste ich einfach raus und mich entspannen und fuhr zur Cenote cristalino, die gar nicht so weit entfernt war. Nur etwa 20 Min mit dem Bus. Es war super schön da, aber alleine hat man deutlich weniger Spaß in einer Cenote. Ein bisschen gesprungen bin ich natürlich trotzdem, aber dann habe ich mich ganz entspannt an den Rand gesetzt und meine Füße ins Wasser hängen lassen. Innerhalb weniger Minuten waren meine Füße von Fischen umgeben, für die meine alten Hautschuppen ein Buffet zu sein scheinen. In der Stadt gibt es überall diese Fußbecken mit Fischen. Da zahlt man dann einen Dollar pro Minute. Hier in der Cenote gibts das gratis dazu. Anfangs musste ich mich mega zusammenreißen, weil es so schlimm gekitzelt hat, aber nach etwa 10 Minuten ging es ganz gut. Ich habe mir dann meinen Südamerika Reiseführer genommen und zwischendurch Mittagsschlaf gemacht. Oh ich liebe Mittagsschlaf. Und vor allem brauchte ich ihn auch dringen.

Rene wollte eigentlich nach Puebla fliegen, wohin er mich auch eingeladen hatte, aber ich leider meinen Flug nicht mehr rechtzeitig umgebucht habe. Dummerweise hat Rene seinen Flug verpasst, weil auf der Strecke zum Flughafen ein Unfall war. Als er mich abends anrief, was wir denn morgen machen würden wurde das der neue running Gag für die nächsten Tage.

Ich hatte geplant in Tulum ein Fahrrad zu mieten und damit zu Cenoten zu fahren. Von dem Fahrrad war Rene gar nicht begeistert. Er saß schon seit Jahren nicht mehr auf einem Rad, aber im Endeffekt hat es ihm trotzdem Spaß gemacht. Wir sind zuerst zur berühmten Grand Cenote gefahren, die aber einfach unverschämt teuer war. Dann weiter zur Cenote Aktun Ha, die einfach nur langweilig war und eher wie ein normaler Badesee mit sehr klarem Wasser aussah. Da wollten wir nicht bleiben und sind noch weiter zur Cenote Zacil Ha gefahren. Die war zwar ziemlich voll, aber insgesamt ein sehr cooles Ambiente drum herum hatte. Mit Music, Salsa Tanzfläche, Picknick Area,… Außerdem gab es eine Zipline über der Cenote!!! Da haben meine Augen angefangen zu glitzern… Wir entschieden uns bei dieser Cenote zu bleiben. Das beste an dieser Cenote fand ich allerdings erst, als ich schon im Wasser war. Von oben konnte man die kleine Höhle nicht sehen und wer hinein schwimmen statt tauchen wollte hatte gerade so genug Platz für den Kopf. Diese Höhle erwies sich als kleines Boulderparadies! (Auch da habe ich leider nicht daran gedacht ein internettaugliches Bild zu machen, wo ich mehr als einen Bikini anhabe. Aber wir hatten hier eine Menge Spaß und haben tolle Sprungbilder gemacht!)

Erst heute Abend stellte ich fest, dass ich auf der Gopro mit Fotos die Videos überschreibe. Zwischendurch haben wir uns nämlich unsere Sprungvideos angesehen, von denen hinterher keins mehr auf der Kamera war. Aber wir hatten einen geilen Tag und super viel Spaß!

Die Zipline kostete nur 50 Cent und hing etwa 6-7 m über dem Wasser. Ihr könnt euch das vorstellen wie eine Seilbahn über Wasser, die nur einen Griff hat. Man nimmt Anlauf und lässt irgendwann los…=) (Die Line ist höher als der Fotoausschnitt!)

Achso für alle die gar nicht so richtig wissen, was Cenoten sind: Die Boden von Yucatan bestehen überwiegend aus Kalkgestein, in dem sich vermutlich das größte Unterwasserhöhlensystem der Erde entwickelt hat. Die Höhlen sind mit Süßwasser oder manchmal auch Brackwasser gefüllt. Wenn dann darüber die Kalksteindecke einstürzt, so dass man von oben einen Zugang zum Wasser hat, nennt man das eine Cenote. Für die Mayas waren die Cenoten der Übergang zur Unterwelt und sie veranstalteten dort Rituale und Opfergaben.

Mexikanisches Essen ist alles andere als gesund und ich habe festgestellt, dass ich bis jetzt keine Ahnung hatte, was mexkikanisches Essen eigentlich ausmacht. Selbst die Nachos sind hier anders und nennen sich Totopos. Nachos ist eigentlich ein Gericht, wo Totopos mit Käse und einer Soße aus schwarzen Bohnen überbacken werden. Und das gibt es nur für die Touristen. Genauso wie viele andere Gerichte die wir für mexikanisch halten. Chilli con carne habe ich hier nie gesehen. Burritos bekommt man zwar, aber eigentlich ist es hier üblicher Ensadillas zu essen die wie überbackene Burritos mit weniger Gemüse sind. (Bei dem Namen bin ich mir gerade nur 80% sicher…). Ansonsten werden natürlich Tacos gegessen, allerdings mit einem Maismehltortilla das nicht kross ist, wie wir es sonst kennen. Serviert wird nur der Tortilla mit etwas Fleisch drauf. Man kann sich dann noch ein bisschen Gemüse drauf machen, aber viel passt einfach nicht mehr drauf. Dafür kommen dann zwei scharfe Soßen darauf. Es gibt eine rote Salsa Soße und eine grüne Salsa Soße in der Avocado mit drin ist. Richtige Guacamole wird eigentlich nur zu viel Fleisch gegessen.

Ansonsten sind typisch traditionelle Gerichte Empanadas, Quesadillas, Mole, Chicadillas, Tostadas, Suppen (spz. Limettensuppe), Tamale und ganz viele Dinge deren Namen ich mir auch nicht merken kann, weil ich sie noch nie gehört habe… Grundsätzlich braucht man einen mexikaner der einem auch zeigt, wie man etwas isst. Es sieht echt nicht schön aus, wenn mexikaner essen. Vieles muss man mit den Fingern essen und oft bekommt man auch gar kein Besteck. Es ist ganz nett mal eine Woche mexikanisch zu essen, aber dann ist es mir auch echt alles zu fettig geworden und ich brauchte zwischendurch wieder was für mich normales… Salate bekommt man leider nur sehr selten. Oft habe ich vergeblich nach einem Laden gesucht, der auch Salat anbietet. Bei ausländischen Lokalen bekommt man natürlich Salate, aber ich habe nur ein einziges mexikanisches „Lokal“ gefunden, wo ich auch einen Salat bestellen konnte. Das Wort Lokal ist etwas übertrieben. Üblicherweise ist es einfach nur eine kleine Kochniesche mit oft nur Plastikstühlen und Tischen davor. Die Kosten für Lebenmittel sind hier im Durchschnitt nur etwas günstiger wie in Deutschland. Zumindest, wenn man im Supermarkt einkaufen geht. Man muss schon ein bisschen schauen. Manche Dinge sind natürlich mega günstig, z.B. kleine gelbe Mangos!!!(davon habe ich fast jeden Tag 1-2 Stück gegessen…) oder Gebäck, weswegen die mexikaner sicherlich auch ihre Gewichtsprobleme haben und das schlimmste ist, dass in manchen Läden Cola günstiger als Wasser ist! Ich konnte es einfach nicht glauben, als ich das gesehen habe. Mittlerweile weiß ich unsere deutsche Lebensmittelpolitik sehr zu schätzen. Grundnahrungsmittel sind in Deutschland einfach unschlagbar billig. Im Gegensatz zur restlichen Welt.

Streetfood findet man hier mehr als irgendwo sonst. Sogar mit System. Es gibt zu unterschiedlichen Tageszeiten unterschiedliche Angebote auf der Straße. Und wenn man etwas zur falschen Zeizhaben möchte muss man schon gut suchen. Man bekommt morgens oft auch noch Dinge, die man irgendwie vegetarisch bestellen kann. Streetfood ist eigentlich immer sehr günstig, außer an Touristenplätzen…Es kommt aber schnell mehr zusammen als man erstmal denkt. Dadurch, dass Nachmittags kann das schon anders aussehen, da ist das essen grundsätzlich fleischlastiger und oft gibt es kein Gemüse mehr dafür bekommt man immer frisch gepresste Säfte! jamjamjam

Was super ekelhaft ist und was man überall findet, ist dass man einen großen Becher mit unterschiedlichen Süßigkeiten, Chips, Nüssen,… füllen lassen kann, dann kommt Salsasoße darüber und das soll man dann essen können…=(

Wegen solcher Sachen sind die Mexikaner mittlerweile fetter als die Amerikaner! Seit Anfang 2017 ist die USA nur noch auf Platz 10 der fettesten Länder. Mexiko ist auf Platz 9. Die ersten Plätze werden überwiegend von arabischen Ländern belegt. Platz 1 ist aktuell Kuwait (mit 44,9%!!!).

Montag morgens ging ich auf die Dachterrasse, die super schön für ein frühmorgendliches Übungsprogramm ist. Alvaro kam heute aus Merida zurück und hatte das Apartment schon wieder gewechselt, so dass er jetzt gegenüber von mir wohnte. Das bedeutete leider, dass ich an seiner Wohnung vorbei musste, wenn ich in meine wollte. Und diesen Tag war er leider total überdreht. Seine Mutter ließ ihn keine Sekunde aus den Augen. Als er mich abfing und mir unbedingt etwas in seiner Wohnung zeigen wollte, putzte seine Mutter unauffällig um ihn herum und gab mir mit Bilcken zu verstehen, dass es Alvaro heute nicht gut geht. Ach, hätte ich selber gar nicht gemerkt… Er erzählte mir, dass er Sven heute rausschmeißen würde. Und fragte mich ob ich mit ihm zum Strand gehen würde. Dabei gestikulierte seine Mutter hinter ihm groß das bloß nicht zu tun. Hätte ich auch nicht vorgehabt. Ich schaffte es mich mit einer Ausrede in mein Apartment zurückzuziehen und begann zu packen. Eine halbe Stunde später schickte Sven mir ein Bild von einem großen Stein. Alvaro stand mit dem Stein in der Hand vor Sven seiner Tür und brüllte nur er würde ihn umbringen, wenn Sven nicht heute das Geld für die Miete bezahlen würde. Beim Packen zählte ich auch mein Geld und stellte fest, dass Alvaro mich am Freitag beklaut hatte. Das er auch mein Handy geklaut hat habe ich noch nicht gemerkt. Alvaros Mutter ging mit ihm raus, um ihn zu beruhigen. Sven ist ohne seine Sachen gleich aus der Wohnung raus und erst mal in die Stadt gefahren. Ein anderer Nachbar Donaldo begleitete mich zur Busstation, weil ich Angst hatte Alvaro und seiner Mutter in unmittelbarer Nähe der Wohnung zu begegnen, während ich meinen großen Rucksack auf dem Rücken hatte. In der Stadt traf ich mich mit Sven. Ich hatte überlegt für zwei Nächte ins Hostel zu gehen, bis ich in das andere Apartment einziehen konnte, aber Rene bot mir an meine Isomatte einfach in sein Zimmer zu legen. Den nächsten Tag hatten wir eh schon geplant gemeinsam unterwegs zu sein. Wir mussten also nur eine Bleibe für Sven organisieren und zur Polizei gehen, damit Sven unter Polizeischutz seine Sachen aus der Wohnung herrausholen konnte. Wir waren mega erstaunt, dass die sich direkt darum kümmerten und wirklich eine halbe Stunde später mit Sven losfuhren. Bei dem Mexikanischen Rechtssystem kann es auch durchaus sein, dass einfach nichts passiert. Alvaro durfte seine Wohnung in der Zeit nicht verlassen. Die Mutter war am schimpfen, dass ich ihnen noch Geld schulden würde, für Touren, die ich mit Alvaro unternommen hätte und für das abholen vom Flughafen wollte sie plötzlich von jedem von uns 25 Euro haben. Für ein Taxi vom Flughafen hätten wir normalerweise aber nur 20 gezahlt und uns das zu zweit auch noch teilen können. Naja, so sind sie die Mexikaner. Ich hatte die vereinbarte Miete gezahlt und der Rest war mir egal.

Dienstag hatte Rene Geburtstag. Ich hatte abends zumindest noch schnell Muffins und Geburtstagskerzen gekauft und dachte eigentlich ihn um 12 damit zu Überraschen, allerdings hatte der Stress mich so geschafft, dass ich es nicht schaffte so lange wach zu bleiben. Aber er freute sich morgens genauso sehr über die Muffins und Kerzen. Als er morgens kurz ins Bad gegangen ist, habe ich die angezündet, so dass er sie gesehen hat, als er zurück ins Zimmer kam.

Ich hatte schon die letzten 5 Tage das Gefühl krank zu werden, aber scheinbar hat der Stress mein Immunsystem gut gepuscht. Da ich mich bei Rene endlich mal wusste das niemand einfach ins Zimmer kommt, war ich prompt am nächsten Tag krank. Nach der morgendlichen Überraschung wollte ich mich noch mal kurz hinlegen und habe bis 11 geschlafen. Aber Rene schläft auch gerne so lange. Sven hatte die Idee nach Paamul zu fahren einen Ort in der Nähe von Playa del Carmen, der einfach einen schönen Strand hatte. Rene kannte den noch nicht und ich ja sowieso nicht. Als wir dort ankamen waren wir echt positiv Überrascht! Der Strand war einfach schön und außerdem steht da mein zukünftiges Traumhaus… =) Es gab nur ein Lokal am Strand, das eine leicht erhöhte Fläche hatte, so dass man einen tollen Blick aufs Meer hat. Wände gibt es nur selten für den Sitzbereich und so hatte man das Gefühl direkt am Wasser zu essen.

Die Tage hier verfliegen einfach super schnell plötzlich war es schon wieder dunkel. Wir waren nur kurz noch in der Stadt unterwegs. Eigentlich hatte Rene vorgehabt ein bisschen zu feiern. Aber er hat das viel zu spät bekannt gegeben und all seine Freunde und Kollegen schrieben zurück, dass er doch bitte seine Sachen packen soll, um nicht auch noch den Ersatzflug zu verpassen. Für den musste er nämlich um 5 h das Haus verlassen. Ich schlief mich quasi noch gesund und ging erst um 15h rüber in mein neues Apartment, wo ich mich auch wieder schlafen legte. Dafür war ich Donnerstag nach ~ 16 Stunden Schlaf wieder gesund.

In diesem neuen Heim fühlte ich mich sauwohl!

Den nächsten Tag wollte ich mich noch schonen, auch wenn ich mich schon wieder sehr gut fühlte und beschäftigte mich den Großteil des Tages mit meiner Kamera, Fotografie-Tutorials und ging natürlich auch raus, um ein paar Fotos zu machen. Als ich am Strand am Fotografieren war fing ein Mexikaner nur aus Spaß an vor meiner Kamera zu posen, was ziemlich lustig war. Leider hatte ich meine Kamera gerade auf Selbstauslöser nach 10 sec. und Langzeitbelichtung eingestellt, so dass diese Bilder leider nichts geworden sind, weil ich die Einstellungen nicht schnell genug ändern konnte. Trotzdem war es mega lustig. Sie waren eine Gruppe aus 6 Musikern, die gemeinsam in einer Band spielten. Nur ein paar Minuten später kam ein Musiker mit einer Gitarre und spielte für uns. Das ist normal, dass die hier am Strand rumlaufen. Zwei der Jungs waren recht offen mit mir zu reden, die anderen trauten sich nicht so richtig, weil sie zu schüchtern waren. Als der erste mich zum Tanzen aufforderte, wollte der zweite gleich den nächsten Song mit mir tanzen. Danach fragte er mich, ob ich denn auch einmal mit einem anderen Kollegen tanzen würde. Ich hatte vorher schon gesehen, dass er viel zu schüchtern war, um selber zu fragen und er tanzte dann auch mit viel Abstand zu mir, strahlte dabei aber übers ganze Gesicht. Das war einfach niedlich…

Gehört habe ich über die mexikaner eigentlich ganz andere Geschichten und hätte nicht damit gerechnet, dass ich fast alle als sehr schüchtern erlebe. Selbst, wenn ich morgens durch die Straßen ging spürt man ja, wie Männer einem hinterherschauen. Wenn ich sie dann einfach nur mit einem Lächeln gegrüßt habe war es fast immer die selbe Reaktion. Sie wirkten sehr überrascht und strahlten übers Gesicht ein Lächeln geschenkt bekommen zu haben.

Die Mentalität der mexikanischen Frauen ist eher, dass sie in eine andere Richtung schauen, wenn sie einem Mann begegnen und so tun als würde er nicht existieren oder alles abblocken, wenn sie angesprochen werden.

Am zweiten Juni war ich schon morgens um 6 am Strand, um den Sonnenaufgang zu Fotografieren. Was ich danach den ganzen Tag gemacht habe ist eine gute Frage. Ich habe ein bisschen Zeit genutzt, um mit Freunden zu schreiben Bilder zu sortieren und zu bearbeiten und plötzlich war es schon wieder später Nachmittag. Ich traf mich mit Sven in der Stadt, um mal über die Abendplanung zu reden. Ich bin morgens nach den Fotos auf erkundungstour durch die Stadt gegangen und habe eine Bühne gefunden auf der um 20 h irgendwas beginnen sollte. Da hatte ich eigentlich vor hin zu gehen. Auf dem Weg dahin sah ich jemanden mit einer Yogamatte und habe eigentlich nach der Matte geschaut. Er dachte jedenfalls ich hätte ihm hinterher geschaut und sprach mich direkt an. Stephane war einer der Mexikaner, die gar nicht schüchtern sind. Und wir verstanden uns einfach sehr gut. Da wir gerade nur ein paar Meter von einem Strandlokal entfernt waren versackten wir dort und hatten einen coolen Abend. Man kann sich ja gut das typische Bild eines Hundes vorstellen der freudig den Strand entlang läuft. Ich dachte erst ich gucke nicht richtig, als plötzlich ein Waschbär den Strand entlang flitzte! Ich habe noch nie einen Waschbären in Aktion gesehen. Und dazu auch noch frei in der Natur! Das werde ich so schnell jedenfalls nicht vergessen und finde es sehr schade euch kein Video davon zeigen zu können. Aber ich war zu sehr damit beschäftigt den Waschbären anzustarren, als ein Video machen zu können.

Zur Bühne bin ich dann doch nicht mehr gekommen und konnte auch nicht herausfinden, was für eine Veranstaltung dort überhaupt war.

Stephane lebt schon seit 8 Jahren in Playa del Carmen und kennt sich in der Umgebung sehr gut aus. Rene und Sven, die auch schon lange dort sind kennen kaum unterschiedliche Cenoten.

Staphane war auf jeden Fall der Meinung, dass ich auf keinen Fall fliegen dürfte, ohne die Cenote Azul gesehen zu haben. Da er ein Auto hat war es auch sehr einfach da hin zu fahren und wir planten das gleich für den nächsten Tag. Die Cenote Azul war wirklich sie schönste die ich um Playa del Carmen und Tulum gesehen hatte. Viele andere habe ich mir nur bei Google angesehen, aber soweit ich das beurteilen kann gehört sie schon zu den schönsten Cenoten in dieser Ecke. Sie war auch nur 5 Minuten zu Fuß von der Cenote cristalino entfernt, aber das hört man nur von Lokals, die sich auch auskennen. Die Cenote cristallino ist unter Touristen bekannt. Dementsprechend habe ich da auch gleich mal den doppelten Eintritt von der viel schöneren Cenote Azul bezahlt.

Danach sind wir weiter nach Tulum zu einem public viewing gefahren. Wir trafen uns da mit Freunden von Stephane um das Fußballspiel von Italien gegen Real Madrid zu schauen. Eigentlich schaue ich ja nie Fußball, aber hier hat es mir wirklich viel Spaß gemacht. Erstmal war es ein interessantes und auch sehr gutes Spiel, ich konnte mir endlich mal wieder ein paar Profisportler ansehen, was für mich ja auch aus beruflicher Sicht interessant ist und die Freunde waren ziemlich cool. Monika sprach zwar kein Wort Englisch, aber ich habe mich trotzdem super mit ihr verstanden. Und wenn es wirklich nicht ging, dann hat Carlos ihr Freund oder jemand anders kurz übersetzt.

Anschließend sind wir noch in Tulum zu einem Beach gefahren. Ich wusste gar nicht, wie unterschiedlich Strände sein können, aber jeder hat seinen eigenen Charakter.

Stephane ging mir mittlerweile ziemlich auf die Nerven. Er ist sehr aufdringlich geworden und es brachte auch nichts, ihm zu sagen, dass ich nicht möchte, dass er seine Hand auf meinen Oberschenkel legt. Irgendwann schob ich sie nur noch genervt zur Seite und versuchte mich in gewissem Abstand zu ihm aufzuhalten. Besonders ätzend war es schon deswegen, weil ich ihm den Abend vorher als allererstes gesagt hatte, dass ich nur mit ihm weggehe, wenn ihm klar ist, dass nicht mehr daraus wird. Ich verstehe nicht, warum ein Mann es nicht akzeptieren kann, wenn er einmal abgewiesen wird. Spätestens nach 2 Versuchen und einer klaren Ansage von mir sollte er das verstehen können. Da vermisste ich den freundschaftlichen Umgang mit Rene wirklich sehr. Naja, als er mich nach hause brachte, sah ich gerade dass jemand über mir in der Wohnung neu einzog. Sergio ist ein Jahr jünger als ich und ein super toller Mensch, den ich gerne früher kennen gelernt hätte. Er kommt aus Venezuela und möchte gerne in Mexico bleiben. Er hat dort einen festen Job als Fotograf und hat nur für die ersten 10 Tage ein Apartment genommen, um sich eine feste Wohnung zu suchen. Nach den ersten drei Sätzen hatte ich das Gefühl, als ob er ein langjähriger Kumpel wäre, was ich nur von sehr wenigen Menschen in meinem Leben kenne.

Am 04.Juni, meinem Vorletzten Tag schaffte ich es endlich mir ein paar Sachen in Playa del Carmen anzusehen, die ich mir schon die letzten Tage hatte ansehen wollten, aber es immer aufgeschoben habe, weil es ja so nah dran war… schlechte Taktik…

Als erstes schaute ich mir morgens das Portal Maya an über das ich euch leider gar nicht viel sagen kann, außer dass es erst 2012 erbaut worden ist, weil die Informationen dazu nur auf spanisch waren. Anschließend bin ich zu ein paar kleineren Ruinen in Playacar gegangen. Das war nicht weit weg. Ehemals waren hier die Raststätten der Maya, bevor sie mit dem Boot zu der nahe gelegenen Insel Cozumel übersetzten. Auf Cozumel gibt es 5 Mayapyramiden, die ich mir leider nicht mehr angesehen habe, weil meine Zeit dafür dann doch zu knapp wurde.

Danach machte ich mich wieder auf den Weg in die Stadt. Flip flops sind bei mir ja dauerhafte Verschleißartikel. Die sind grundsätzlich nicht belastbar genug… In Florida hatte ich mir gerade mein zweites Paar gekauft, die ich unheimlich schön finde und abgöttisch liebe. Hier in Mexiko kann man Schuhe noch auf der Straße reparieren lassen…=) mega geil. Da sich gestern ein Faden gelöst hatte machte ich mich gleich auf die Suche nach einem Schuhputzer, der auch Reparaturen machte. Und fand auch recht schnell einen. Ich ließ gleich alle verdächtigen Stellen an beiden Schuhen verstärken und bin jetzt sehr gespannt, wie lange sie noch halten. Bei der Dauerbelastung könnte ich es verstehen, wenn sie den Geist aufgeben. Ich zahlte gerade mal 2,50 Euro dafür…

Mit meinen geflickten Schuhen konnte ich mich nun auf den Weg zum Park der Ceiba Bäume machen. Ceiba Bäume sollen wohl überall stehen und ich hätte wohl angeblich schon ganz viele sehen müssen, aber sie als die gesuchten Bäume zu erkennen ist die Schwierigkeit. Daher dachte ich im Ceiba Park sollte das leichter sein. Ich habe nach diesen Bäumen gesucht, weil sie eine große Bedeutung für die Mayas hatten. Für die Mayas haben diese Bäume die drei Welten Himmel, Erde und die Unterwelt der Ahnen miteinander verbunden.

Im Park angekommen sah ich viele Bäume, aber keinen der meinen Bildern von Google ähnlich sah. In einem Teil des Parks sah ich viele Infotafeln stehen. Freudig lief ich darauf zu und dachte, dass diese mir die wichtigen Erkennungsmerkmale zeigen würden. Als ich ankam, stellte ich jedoch fest, dass sie sich ausschließlich mit Mangroven beschäftigten. Was für ein Ceiba Park ist das bitte, in dem man keinen einzigen Ceibabaum findet und der über Mangroven informiert??? Ich fragte ein paar Leute auf einem Spielplatz. Sie sprachen kein Wort english, aber verstanden, was ich suchte. Eine Frau, die sich gut mit Pflanzen auskannte machte sich mit mir gemeinsam auf die Suche. Unterwegs erzählte sie mir eine menge über andere Pflanzen, wovon ich nur einen Bruchteil verstand. Am Eingang des Parks fanden wir dann auch einen Ceibabaum. Aber auch als ich dann wusste wie er aussah fand ich nur einen weiteren Baum.

In der Mitte des Parks hörte ich Musik und Gesang. Ich hatte sie auch vorher schon gehört, war da aber noch mit meiner Suche beschäftigt. Die Musik hatte einen sehr beruhigenden Klang und ich fühlte mich irgendwie von ihr angezogen. Als ich nur leise in den Raum der betenden Menschen schaute, meinte eine Frau an der Seite, dass ich gerne mitmachen könne. Ich wusste zwar weder um welche Religion es ginge oder was der Text aussagt, aber ich setzte mich dazu und meditierte für mich. Es wurde nur eine Strophe gesungen, die sich immer wiederholte. Nach drei Wiederholungen konnte ich die auswendig und musste mich nicht mehr auf den Text konzentrieren. Es war gerade Mittags. Ich blieb etwa 45 min da. Danach fühlte ich mich viel ruhiger und ausgeglichener. Draußen erklärte mir jemand ein bisschen mehr. Es handelte sich um das buddhistische sangye menla meaning Mantra und dauerte 12 Stunden. Jeder kann so viel und so lange mitmachen, wie er möchte und es würde noch bis 19h gehen. Ich wollte zwischendurch gerne noch mal nach hause und beschloss dann später wieder zu kommen. Als ich zu hause Sergio traf und ihm begeistert davon erzählte beschloss er mitzukommen und das auch mal ausprobieren zu wollen. Nach weiteren 2 Stunden Meditation merkte ich auch, dass es für mich genug war. Eigentlich wurde der Park um 5:30pm geschlossen und war nur für die Veranstaltung länger auf. Aber die Leute waren noch mit aufräumen beschäftigt, so dass der Parkwächter meinte wir dürfen gerne noch mal durch den Park gehen. Sergio war so lieb mir alle Informationstafeln über die Mangroven vom Spanischen ins Englische zu übersetzen. Damit haben wir allerdings länger gebraucht als die anderen zum aufräumen und wurden eingeschlossen. Zum Glück ist der Park kein Hochsicherheitstrackt, aus dem man auch gut ausbrechen konnte. Das Tor war Perfekt zum drüber klettern, aber alle Zäune und auch das Tor waren trotzdem 3 Meter hoch, was ich für so einen Park schon sehr viel finde.

Welche Bäume man viel leichter findet, weil sie auch einfach nicht zu übersehen sind, ist der Flamboyand. Diese Bäume sind einfach nur schön! Ich dachte ja nach zwei Tagen nicht mehr jedem Baum hinterher schauen zu müssen, aber daran hat sich selbst in zwei Wochen absolut nichts verändert. Auf dem Weg zur Selva Maya Cenote sind wir eine Straße entlang gefahren, an der rechts und links überall diese Bäume stehen. Auf den Fotos sieht man leider gar nicht wie herrlich das war. Am besten hätte ich ein Video machen sollen, aber das ist mir erst zu spät eingefallen…

An meinem letzten Tag wollte ich zuerst noch nach Cozumel fahren. Aber mit Packen wäre mir das dann doch zu stressig geworden. Daher habe ich noch mal einen entspannten Tag gemacht.

Was ich ebenfalls noch nie gesehen hatte, ist die Art der Polizeipräsenz. Grundsätzlich gibt es überall sehr viel Polizei, was mir zumindest eher ein Gefühl vor Schutz vermittelt hat. Und dann gibt es unterschiedliche Arten von Polizisten, jeh nach zuständigkeitsbereich. Die sind auch in unterschiedliche Polizeiwagen unterwegs. Einmal ganz normale Autos oder Pick ups mit einem Käfig hinten drauf in dem normalerweise 2-3 Leute stehen. Zweimal habe ich auch gesehen, dass sie auf den Pick ups ein festes Maschinengewähr hatten. An meinem letzten Tag in Mexiko City habe ich es gerade noch geschafft so ein Auto zu fotografieren. Allerdings müsst ihr euch die Polizisten und das Maschinengewähr vorstellen…

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